Wien (fk/apa) Über den Standort des neuen Fernbusterminals sollen nicht die Bezirke, sondern die Wiener entscheiden. Das meinte Davor Sertic, Obmann der Sparte Transport und Verkehr der Wiener Wirtschaftskammer, am Mittwoch. Deswegen will er eine wienweite Befragung zu diesem Thema durchführen, um den Druck zu erhöhen, dass gebaut werden muss. Die Wiener sollen über den Standort entscheiden. Oder der Bürgermeister", sagte Sertic.

Denn: Nachdem Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) dem Standort am Verteilerkreis Favoriten vor kurzem eine eindeutige Absage erteilte ("für mich ist der Verteilerkreis keine Option"), vermisst Sertic Alternativvorschläge für einen anderen Standort.

"Wenn ich Nein sage, muss es eine Alternative geben. Für mich ist die Angelegenheit eine übergeordnete Sache, nicht von den Bezirksvorstehern, sondern vom Bürgermeister, also Chefsache", sagte Sertic zur "Wiener Zeitung". Der Bürgermeister müsse in dieser Sache ein Machtwort sprechen. Denn nach Ansicht der Wirtschaftskammer Wien, wäre der Verteilerkreis immer noch die logistisch und wirtschaftlich beste Option. Die Waldmanngründe beim Hauptbahnhof und der Busbahnhof in Erdberg sind für Sertic Orte, bei dem der Verkehr wieder in die Stadt geholt wird.

Zum Vergrößern bitte anklicken. - © WZ
Zum Vergrößern bitte anklicken. - © WZ

Ludwig hört auf die Bezirksvorsteher

Erst vor kurzem hatte Bürgermeister Michael Ludwig erklärt, dass andere Standorte geprüft werden, die in Frage kommen könnten. Er höre in dieser Sache stark auf die Bezirksvorsteher. Welche Standorte genau geprüft werden, wollte der Stadtchef allerdings nicht sagen.

Am Wunschstandort der Wiener Neos hat sich nichts geändert. Sie bleiben beim Vorschlag, den zentralen Busterminal auf den Waldmanngründen zu errichten, so ein Sprecher am Mittwoch. Der Bereich um den Hauptbahnhof sei am besten dafür geeignet. Die FPÖ Wien spricht sich klar gegen den Verteilerkreis in Favoriten aus. Der freiheitliche Abgeordnete, Karl Baron, erklärte, dass ein Terminal in St. Marx grundsätzlich favorisiert wird. "Wir würden eine Position präferieren, bei der eine U-Bahn in der Nähe ist", sagte Baron.

"Rot-Grün schiebt Verantwortung von sich"

Von der ÖVP Wien hieß es auf Anfrage, dass die Stadtregierung schleunigst alle Standorte prüfen soll. "Rot-Grün schiebt die Verantwortung von sich und kriegt beim Thema Busterminal seit Jahren nichts weiter", so der stellvertretende Landesgeschäftsführer Michael Ulrich zur "Wiener Zeitung". Im Büro von Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou war bis zum späten Mittwochnachmittag niemand zum Thema Fernbusterminal für eine Stellungnahme erreichbar.

Druck auch im Bezug auf Mehrzweckhalle

Im Übrigen macht die Wirtschaftskammer auch in Bezug auf die geplante Mehrzweckhalle Druck. "Wir fordern eine Stelle, um noch mehr und größere Events nach Wien zu bringen", sagte Markus Grießler, Obmann der Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft in der Wirtschaftskammer Wien.

Die Stadthalle sei "an die Grenzen ihrer Lebensdauer gekommen", befand Grießler. "Sie hat ihre Berechtigung, aber für den Highend-Bereich gehört investiert", forderte er. Wünschenswert vonseiten der Wirtschaftskammer wäre eine Eventhalle, in der bis zu 20.000 Zuschauer Platz finden. Als Standort käme hier aus Sicht von Markus Grießler die Gegend bei St. Marx in Frage. Dort könnte die bestehende Infrastruktur genutzt werden.

Auch die langjährige Forderung der Wirtschaftskammer nach einer Seilbahn auf den Kahlenberg bekräftigte Grießler. "Das wäre eine sehr elegante Möglichkeit, um die Touristenströme aus der Stadt rauszubringen." Er sei auch im Gespräch mit dem Wiener Skiverband, um den Wintersport am Kahlenberg zu etablieren. Die SPÖ, die dem Seilbahn-Projekt am Parteitag im vergangenen Jahr eine Absage erteilte, solle diesen Beschluss überdenken, forderte Grießler.