Wien. Ein 36-jähriger Mann hat am 23. Mai 2018 in Leopoldstadt einen Streit im Straßenverkehr mit einer Eisenstange regeln wollen. Weil ihn ein anderer Autofahrer nicht überholen hatte lassen, hielt der gebürtige Tschetschene an der nächsten Kreuzung an. Er versuchte, dem 46-Jährigen durch die geöffnete Seitenscheibe die 50 bis 60 Zentimeter lange Stange auf den Kopf zu schlagen.

Am Dienstag musste sich der Mann wegen versuchter absichtlicher schwerer Körperverletzung am Landesgericht für Strafsachen verantworten. "Es ging ihm zweifellos darum, das Opfer möglichst schwer zu verletzen", sagte Staatsanwalt Bernhard Mascha. Er sprach von einer "Wahnsinnstat" und nannte den Angeklagten einen "unberechenbaren Chaoten". Es sei bloß deshalb zu keinen gröberen Verletzungen gekommen, weil der Angegriffene seine Unterarme schützend vor Kopf und Gesicht brachte.

"Er hat überreagiert"


Der Angeklagte lebt seit zehn Jahren in Österreich. Laut eigenen Angaben hat er in Tschetschenien Jus studiert und die Anwaltsprüfung "mit Diplom" abgeschlossen. Er bekannte sich schuldig. "Er hat total überreagiert", meinte sein Verteidiger Alexander Philipp. Zu dem Ganzen sei es aufgrund einer Provokation gekommen, "die die Tat natürlich nicht rechtfertigt". Sein Mandant habe sich zu einem "Ausraster" hinreißen lassen, sagte Philipp.

"Seine Provokation hat mich aus der Bahn gerissen", erklärte der 36-Jährige. Er habe den um zehn Jahre älteren Mann auf der Seitenhafenstraße überholen wollen. Dieser habe das nicht zugelassen und ihm den gestreckten Mittelfinger gezeigt. Und zwar mehrfach: "Das dritte Mal war für mich beleidigend. Drei Mal ist in Tschetschenien verboten."

Daher sei er aus seinem Auto gesprungen und zum Pkw des anderen gelaufen, um den Mann "zur Rede zu stellen". Die unter dem Beifahrersitz befindliche Eisenstange habe er mitgenommen: "Ich wollte ihm einfach Angst machen." Laut Anklage rief er: "Ich töte dich", ehe er zuschlug. Das dementierte der 36-Jährige, der wegen eines Urkundendelikts vorbestraft ist.

Nachdem der 46-Jährige ein paar schmerzhafte Schläge auf seine Unterarme kassiert hatte, ließ der Angreifer von ihm ab. Diese Situation wollte der Verletzte nutzen, um den Täter bzw. das Kennzeichen von dessen Auto zu fotografieren. Daraufhin machte der Tschetschene kehrt. Er riss dem aus seinem Auto gestiegenen Opfer das Smartphone aus der Hand, nahm es an sich und verließ den Tatort. Das fremde Handy habe er dann "in ein Feld geworfen", verriet der Tschetschene dem Schöffensenat (Vorsitz: Mariella Noe).

Verhandlung vertagt


Der Verletzte und ein Augenzeuge erinnerten sich an das Kennzeichen. Der Tschetschene wurde zur Festnahme ausgeschrieben. Als er in eine Verkehrskontrolle geriet, klickten die Handschellen. Seither befindet sich der Mann in U-Haft. Die Verhandlung wurde zur ergänzenden Beweisaufnahme vertagt.