Wien. Mit Beginn der kalten Jahreszeit stockt Wien mithilfe sozialer Einrichtungen wieder das Kontingent an Notschlafplätzen auf: Am heutigen Dienstag startet das Winterpaket der Wohnungslosenhilfe. Heuer werden bis zu 1.400 Schlafplätze zur Verfügung stehen, berichtete Anita Bauer, Geschäftsführerin des Fonds Soziales Wien (FSW). Außerdem gibt es über 700 Plätze in Wärmestuben und Tageszentren.

"Das ist das umfassendste Angebot seit Bestehen des Winterpakets", sagte Bauer bei der Präsentation der Maßnahme in der Wärmestube "Obdach Apollogasse". "Wir nehmen jedes Jahr Steigerungen in der Nachfrage wahr." Im vergangenen Winter standen am Höhepunkt der Kältewelle 1.275 Betten zur Verfügung.

Im Zuge des Winterpakets wird das Angebot an Nachtquartieren, das ganzjährig zur Verfügung steht, um mehr als 900 Notschlafplätze aufgestockt. Außerdem werden die bestehenden Tageszentren um vier Wärmestuben ergänzt, in denen sich Betroffene untertags aufwärmen können, Verpflegung erhalten, duschen und Wäsche waschen können. "Wir sind gut vorbereitet", zeigte sich auch Monika Wintersberger-Montorio, Geschäftsführerin von Obdach Wien, überzeugt.

Sukzessiver Ausbau

Die Schlafplätze werden sukzessive aufgebaut. "Dazu kommen Erweiterungen bei Bedarf, wenn es eine längere sehr kalte Phase gibt", berichtete Bauer. Rund 220 Betten können zusätzlich auf die Beine gestellt werden. Auch das Beratungsangebot und die Straßensozialarbeit werden im Winter ausgebaut.

Auffallend sei, dass vermehrt Frauen und Familien das Winterpaket nutzen, erzählte Bauer. Bei Frauen gebe es eine stärkere versteckte Obdachlosigkeit. Sie würden oft Zweck- und Gewaltbeziehungen eingehen, um nicht auf der Straße zu landen, erklärte Wintersberger-Montorio. "Es ist auch ein Stück Erfolg, dass Frauen in unsere Tageszentren kommen und sagen, ich sorge jetzt für mich", sagte sie. Außerdem habe die Steigerung damit zu tun, dass das spezifische Angebot erweitert wurde. Im Rahmen des aktuellen Winterpakets stehen 118 Plätze für Frauen zur Verfügung.

"In unserer Stadt ist kein Platz für soziale Kälte. Niemand soll im Winter im Freien schlafen müssen und damit seine Gesundheit gefährden", betonte Sozialstadtrat Peter Hacker (SPÖ) gegenüber der APA. Auch die Grüne Sozialsprecherin Birgit Hebein machte auf die Bedeutung der Maßnahme aufmerksam: "Das rot-grüne Winterpaket wird alle Menschen, die Not leiden, in der kalten Jahreszeit versorgen - unabhängig von ihrer Herkunft oder ihrem Sozialanspruch."

Insgesamt wurden 2017 11.100 Personen im Rahmen der Wiener Wohnungslosenhilfe betreut. Dafür wurden 75 Millionen Euro aufgewendet. Das Winterpaket macht in der Regel rund ein Zehntel der Kosten aus, so Bauer. Das Angebot wird von der Wiener Wohnungslosenhilfe, koordiniert vom FSW, gemeinsam mit der Obdach Wien GmbH, dem Wiener Roten Kreuz, der Wiener Caritas, dem Samariterbund und der Volkshilfe Wien sowie den Johannitern umgesetzt. Es läuft bis Ende April.