Schwulenwitze aus Selbstschutz erzählte etwa Schneider-Lindbergh. - © Es wird besser Österreich
Schwulenwitze aus Selbstschutz erzählte etwa Schneider-Lindbergh. - © Es wird besser Österreich

Wien. "Ich wollte mir nicht eingestehen, dass ich schwul bin," erzählt der heute 37-jährige Christian Schneider-Lindbergh über seine Zeit vor seinem Coming-out. "Ich dachte, dass ich der Einzige bin, der so empfindet." Aus Selbstschutz hätte er sogar Schwulenwitze erzählt. Heute schämt sich Schneider-Lindbergh dafür. Nachdem er seine Freunde und Familie darüber einweihte, dass er auf Männer und nicht auf Frauen stehe, wurde sein "Leben wieder besser". Auch weil ihn sein Umfeld in seiner Entscheidung unterstützt habe.

So wie Schneider-Lindbergh geben nun auch andere lesbische, schwule, bisexuelle und transidente (LGBT) Personen in Videobotschaften, Einblick, in ihr oftmaliges Martyrium des Coming-out. Nicht alle haben aber dasselbe Glück mit ihrem Umfeld wie Schneider-Lindbergh. Viele sind Opfer von Mobbing, Schikane und manchmal gar Gewalt. Auch sie erzählen über ihr Leben, von Problemen mit Akzeptanz im sozialen Umfeld und erklären, wie sie ihre Lebenssituation verbessern konnten. Als Plattform dient die Website "Es wird besser Österreich", einer Initiative des Vereins für zur Förderung der Akzeptanz von lesbischen, schwulen, bisexuellen und transidenten Jugendlichen. Die Initiative wurde nach dem Vorbild des US-Projekts "It gets better" gestaltet, welches von dem Journalisten Dan Savage im Jahr 2010 gegründet wurde. Zuvor gab es eine Serie von Selbstmorden in der LGBT-Community, nachdem einige Männer und Frauen den Stress aufgrund von fehlender sozialer Unterstützung nicht mehr standhielten. Savage wollte nicht mehr tatenlos zusehen. Sein neunminütiges Video mit seinem Lebenspartner, wo er seine Erfahrungen als schwuler Mann schildert, war der Startschuss für das Projekt, das mittlerweile in mehreren Ländern Nachahmer gefunden hat. Nun auch in Österreich.

Hohe Suizidrate bei LGBTs


Wie wichtig diese Unterstützung ist, erklärt Martin Plöderl, Experte für Suizidprävention: "LGBT-Jugendliche erleiden mehr tatsächliche oder befürchtete Diskriminierung und erhalten weniger soziale Unterstützung. Das macht krank." Eine österreichische Untersuchung zu diesem Thema zeigt, dass 14 Prozent der homo- und bisexuellen Teilnehmer einen Suizidversuch hinter sich hatten, verglichen mit nur einem Prozent der Heterosexuellen.

Hikmet Kayahan arbeitet bei der Beratungsstelle "Courage" in Wien, die kostenlose und anonyme Beratungen vor allem für lesbische, schwule, bisexuelle und transidente Personen und ihre Angehörige anbietet. Etwa 1000 Menschen lassen sich jährlich in den Beratungsstellen in Wien, Innsbruck und Graz beraten. "Der Leidensdruck ist so hoch, dass sie ohne professionelle Hilfe nicht mehr zurecht kommen", sagt Kayahan. So würden etwa Jugendliche vorbeikommen, die aufgrund ihrer sexuellen Orientierung von ihren Eltern vor die Tür gesetzt wurden. "Du kannst nicht mein Sohn sein, so pervers, wie du bist." bekommen sie etwa von ihren Eltern zu hören, erzählt Kayahan. Einige Eltern würden auch in die Beratungsstelle kommen, weil sie hoffen, "dass wir die Jugendlichen zu Heteros machen können".