Wien. Die Passivhaussiedlung mit dem etwas uneindeutigen Namen, Eurogate - direkt übersetzt: Eurotor, gemeint ist vermutlich Tor zu Europa - im 3. Bezirk ist nicht irgendeine gewöhnliche Siedlung in Wien. Sie ist vielmehr ein "Vorzeigeprojekt" der Stadt, wie Wohnbaustadtrat Michael Ludwig (SPÖ) schon mehrmals betonte. Ein Projekt, "das besten Wohnkomfort mit hohen ökologischen Standards verbindet." Nachforschungen des Stadtratbüros hätten zudem ergeben, dass Eurogate "die größte Passivhaussiedlung der Welt" sei, so der Stadtrat in einem früheren Interview mit der "Wiener Zeitung".

So weit die Theorie. In der Praxis sieht die Lage aber etwas anders aus. Vor allem der Bauplatz sechs des Bauträgers Arwag - an dem die Stadt Wien einen 28,65-prozentigen Anteil über die gemeindeeigene Wien Holding hält - ist nach wie vor weit davon entfernt, seine Passivhaus-Kriterien zu erfüllen.

Bereits im ersten Bestandsjahr des Gebäudes mit 150 Wohnungen war der Wert des Heizwärmebedarfs mit jährlich knapp 37 Kilowattstunden pro Quadratmeter (kWh/m²) um mehr als das Doppelte höher als die für den Passivhaus-Standard vorgeschriebenen maximalen 15 kWh/m² pro Jahr. Das Warmwasser fließt hier nicht in die Berechnung mit hinein. Die "Wiener Zeitung" berichtete.

Als Begründung für den zu hohen Wert hat man laut den Mietern vonseiten der Arwag versichert, dass ein zu hoher Wert bei einem neuen Gebäude nicht ungewöhnlich sei. Das Gebäude sei vom Bau noch ausgekühlt, viele Türen seien in der Einzugsphase offen gewesen. Weiters müsse die Baufeuchte noch austrocknen und die Feinjustierung der Anlage müsste man sich ebenfalls noch vornehmen. Die Mieter selbst können die Anlage nicht steuern.

Sie hofften auf ein besseres Jahr 2013 und wurden wieder enttäuscht. Nicht nur, dass der Wert nicht gesunken ist. Im Gegenteil: Der Wert kletterte sogar auf jährliche 41 kWh/m². Die Jahresabrechnung liegt der "Wiener Zeitung" vor.

30.000 Euro mehr Heizkosten


"Das sind etwa 30.000 Euro mehr Heizkosten pro Jahr, wenn man bedenkt, dass für das Gebäude laut Energieausweis jährlich 4 bis 5 kWh/m² seitens der Arwag angegeben wurden", sagen die Mieter, die nicht namentlich erwähnt werden wollen.

Warum man sich vonseiten des Bauträgers derart verrechnet hat, bleibt den Mietern ein Rätsel. Dass der tatsächliche Heizwärmebedarf in etwa zehnmal so hoch ist, wie im Energieausweis angegeben wurde, heißt aber nicht, dass es in allen Wohnungen unbedingt wärmer geworden ist. So reicht die Heizleistung in den unteren Geschoßen nicht einmal aus, um die Wohnungen im Winter zu wärmen. Nachdem sich die Mieter darüber bei der Arwag beschwert hatten, wurden vom Bauträger um rund 100.000 Euro in 18 Wohnungen elektrische Nachheizregister eingebaut.