Wien. "Wir sind generell für einen Ethik-Unterricht an den Schulen - und zwar verpflichtend für alle." Das erklärte Wiens Stadtschulratspräsidentin Susanne Brandsteidl am Mittwoch auf die Frage, wie man denn darauf reagieren könne, dass laut einer Studie 2046 nur noch ein Drittel der Wiener katholisch sein wird und sich der Anteil der Moslems bis dahin auf 21 Prozent verdoppeln soll. Nachsatz: "Das sage ich aber unabhängig von der Studie."

Dennoch bringen die Ergebnisse der Wirel-Studie von der österreichischen Akademie der Wissenschaften - die "Wiener Zeitung" hat berichtet - einiges an gesellschaftspolitischer Relevanz mit sich. So erscheint etwa vor dem Hintergrund der Studie die bundesgesetzliche Regelung über das Aufhängen von Kruzifixen in den Schulen nicht so ganz zukunftsfit: "Im Religionsunterrichtsgesetz findet sich die eindeutige Regelung, dass, wenn ein Großteil der Schüler einer christlichen Religionsgemeinschaft angehört, dann in allen Klassenräumen vom Schulerhalter ein Kreuz anzubringen ist", erklärt der Chef der Rechtsabteilung im Wiener Stadtschulrat, Arno Langmeier, im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Das trifft im Übrigen auch zu, wenn in vereinzelten Klassen mehr als die Hälfte der Schüler keine Christen sind.

Interessantes Detail: Wenn weniger als die Hälfte der Schüler einer Schule christlichen Religionsgemeinschaften angehört, dann steht es laut Gesetz dem Schulerhalter frei, ob er Kreuze aufhängen will oder nicht. Aber es gibt nur die Möglichkeit: Kreuz oder nicht Kreuz.

Interessantes Detail: Wenn weniger als die Hälfte der Schüler einer Schule christlichen Religionsgemeinschaften angehört, dann steht es laut Gesetz dem Schulerhalter frei, ob er Kreuze aufhängen will oder nicht. Aber es gibt nur die Möglichkeit: Kreuz oder nicht Kreuz.
Für Konrad Paul Liessmann, Professor für Methoden der Vermittlung von Philosophie und Ethik an der Uni Wien ist dieser Umstand nicht mehr zeitgemäß. "Ich kenne diese Regelungen nicht im Detail, aber wenn das wirklich so ist, dann müsste man das entschärfen. Religiöse Symbole haben meines Erachtens in öffentlichen Schulen nichts verloren. Als alter Aufklärer bin ich zutiefst davon überzeugt, dass Religion eine Privatsache ist", sagt der Wissenschafter zur "Wiener Zeitung".

Mit diesem Ansatz wäre laut Liessmann die Frage der religiösen Weltanschauung etwa so spannend, wie die Frage, welchen Modegeschmack jemand hat. Und es gebe kein soziales Konfliktfeld mehr. "Auf der anderen Seite bin ich Realist genug, um zu sehen, dass Menschen nicht als unbeschriebene Blätter auf die Welt kommen, sondern in bestimmte Kulturen und Traditionen hineingeboren werden." Das Land sei eben Jahrhunderte lang vom Katholizismus geprägt. Und die "kulturästhetischen Elemente", die daraus hervor gegangen sind, würden eben den einen mehr, den anderen weniger interessieren.