Das Filmteam der Soko Donau war verblüfft, als sie Silvia Schilk im Gang begegnete. Sie hatten nicht damit gerechnet, dass in dem Haus noch jemand wohnt. Wie auch?  Man sieht die Spuren von Wasserschäden, in manchen Wohnungen liegen kaputte Möbel, Unrat und Skelette toter Tauben, Fensterscheiben sind kaputt. Der Verputz im Stiegenhaus löst sich von den Wänden und gibt an manchen Stellen den Blick auf die darunterliegenden Schichten von Stroh frei.

Das Haus in der Hetzgasse 8 im dritten Bezirk, in dem die Satel Film 2013 für eine Folge der beliebten Serie drehte, ist eines der wenigen Gründerzeithäuser innerhalb des Gürtels von Wien, das noch mit grauer Fassade dasteht. Die jetzige Eigentümerin, die Hetzgasse 8 Immobilienverwaltungs GmbH & Co KG, will es abreißen lassen. Dafür müssen die letzten Mieter raus.

"Man hat das Haus verfallen lassen", sagt Silvia Schilk. Sie kämpft gemeinsam mit ihrem Mann Andreas und ihrer Tochter für die Sanierung des Hauses. Sie sind die letzten Mieter. Seit die Stadt Wien das Haus 2001 verkaufte, sind die meisten anderen ausgezogen. Manche wurden aus den Mietverträgen herausgekauft. Eine bereits geplante Sanierung des Hauses, gefördert von der Stadt Wien, scheiterte 2006. Der Mietvertrag der Familie Schilk ist derzeit die letzte Barriere gegen den drohenden Abriss des 1874 errichteten Hauses.

"Man hat das Haus verfallen lassen", sagt Silvia Schilk. - © Robert Newald
"Man hat das Haus verfallen lassen", sagt Silvia Schilk. - © Robert Newald

Gefährdete Gründerzeithäuser

Die Eigentümerin will nicht sanieren: "Aus jetziger Sicht unter keinen Bedingungen, da ein Neubau wesentlich sinnvoller ist", schreibt Ingrid Soulier, Geschäftsführerin der Soulier Management GmbH, der die Hetzgasse 8 Immobilienverwaltungs GmbH & Co KG gehört, auf Nachfrage der Wiener Zeitung. Man habe festgestellt, dass das Haus "mit vernünftigem wirtschaftlichem Aufwand nicht saniert werden kann." Die Hetzgasse 8 Immobilienverwaltungs GmbH & Co KG hat der Familie Schilk mit dieser Begründung den unbefristeten Mietvertrag gekündigt. Damit dies rechtsgültig werden kann, hat sie bei der MA 64 einen Antrag auf  einen so genannten Interessensbescheid gestellt. Dieser erlaubt den Abriss und Neubau eines Hauses bei bestehenden Mietverträgen, wenn dies im öffentlichen Interesse ist. Die Magistratsabteilung 64 soll nun feststellen, ob dies bei der Hetzgasse 8 der Fall ist. Entscheidet die MA 64, die zum Wohnbaustadtrat ressortiert, zugunsten der Eigentümerin, kann diese den geplanten Neubau realisieren.
Derartige Anträge auf Interessenbescheid sind nicht ungewöhnlich. Die MA 64 hat neben jenem für die Hetzgasse noch einen weiteren Antrag in Bearbeitung. Am Verwaltungsgerichtshof in Wien wurden in den letzten zehn Jahren sieben solcher Interessensbescheide beeinsprucht. Von Eigentümern wie von Mietern. Die Gebietsbetreuung, eine Einrichtung der Stadt Wien zum Schutz von Mietern, stufte den Interessensbescheid lange als "Absiedlungsinstrument" ein: Er sei eingesetzt worden, um Häuser bestandsfrei zu bekommen.