Wien. Für die Eigentümer, die Hetzgasse 8 Immobilienverwaltung GmbH & Co KG, lief die Bauverhandlung für den geplanten Neubau am Mittwoch nicht optimal. Die Nachbarn, die bei der Baupolizei (MA37) Stellung zu den Plänen nehmen konnten, brachten massive Einwände vor.

Da sind zunächst die Höhe und die Gestaltung des geplanten Neubaus, die für Unmut sorgen: Die Eigentümerin wird die zulässige Bauhöhe von 21 Metern ausnützen und zusätzlich noch ein Penthouse errichten. Dieses soll - an der Ecke Hetzgasse/Untere Viaduktgasse gelegen - "bewusst stark in Erscheinung" treten, wie es in der Baubeschreibung heißt. "Das zerstört das Erscheinungsbild des gesamten Viertels. Der Neubau passt nicht zur gründerzeitlichen Architektur des Ensembles", sagt Rudolf Rappel, Eigentümer des Hauses Hetzgasse 13 zur "Wiener Zeitung". Ebenso empört zeigt sich Martina Fondi, Eigentümerin des ebenfalls gründerzeitlichen Nachbarhauses in der Unteren Viaduktgasse 33: "Das alte Haus in der Hetzgassse 8 ist besonders schön. Im Gegensatz zu unserem Haus ist dort die Fassade noch erhalten."

Während für die Eigentümer der Hetzgasse 8 eine Sanierung "unter keinen Umständen" in Frage kommt, will Fondi ihr Haus weiter sanieren. Doch das gestaltet sich schwierig. Sie hatte für einen Dachausbau darum ersucht, die in der Bauklasse IV vorgesehene Bauhöhe von 21 Metern ausschöpfen zu dürfen. Ihr Haus, wie auch die Hetzgasse 8, ist derzeit 16 Meter hoch.

Doch Martina Fondi wurde seitens der MA37 beschieden, dass sie sich auf diese 16 Meter zu beschränken habe. Die Begründung: Auf dem gegenüberliegenden Gründstück gelte die Bauklasse IV. "Ich finde es daher erstaunlich, dass der Neubau in der Hetzgasse 8 sogar über 21 Meter hoch sein darf."

Verfallen lassen

Dies sei noch erstaunlicher, wenn man bedenkt, dass auf dem besagten dreieckigen Grundstück vor den Bahngleisen, das auch der Hetzgasse gegenüber liegt, ein denkmalgeschütztes Gebäude steht - ein ehemaliges Verwaltungsgebäude für den Bahnhof Hauptzollamt, heute Wien-Mitte. Das Gebäude verfalle wie die Hetzgasse 8 seit Jahren, sagt Martina Fondi. "Ich habe den Verdacht, dass man wartet, bis es nicht mehr sanierbar ist, und dann kann man auf dem Grundstück bauen."

Die neue Hetzgasse 8 ist derweil deutlich höher als 16 Meter geplant und wird ihre Nachbarhäuser überragen. Die in der Bauklasse IV eigentlich maximale Bauhöhe von 21 Metern wird - baurechtlikch zulässig - durch das 320 Quadratmeter-Penthouse noch einmal um einige Meter überschritten. Das Penthouse ist die größte Wohnung im geplanten Neubau und mit einer 161 Quadratmeter großen Terrasse ausgestattet. Im Haus überwiegen ansonsten kleine Wohnungen mit rund 35 beziehungsweise 45 Quadratmetern. 18 Wohnungen sind größer als 60
Quadratmeter.

In einem vor der Bauverhandlung mit der "Wiener Zeitung" geführten Interview hatte die Eigentümerin Ingrid Soulier noch erklärt, der Neubau  werde "fünf" Stockwerke  - zuzüglich des Erdgeschosses und - wie Clemens Bauer, Geschäftsführer der Hetzgasse 8 Immobilienverwaltung GmbH & Co. KG ergänzend ausführte -  zwei zurückversetzte Dachgeschosse haben. Das zweite Dachgeschoss, das Penthouse, solle als "kleine" Glaskonstruktion ausgeführt werden, sagte Ingrid Soulier.

Dieses stark verglaste Penthouse werde das Licht für die umliegenden Häuser "auf sehr ungünstige Weise" reflektieren, sagt Julius Holländer, der Rudolf Rappel bei der Bauverhandlung vertrat.

Das ist nicht sein einziges Bedenken: Die Tiefgarage mit 31 Stellplätzen soll auf zwei Ebenen mit einer Rampe zugänglich sein. Zum Nachbarhaus, der Viaduktgasse 33, ist kein zusätzlicher Schallschutz geplant. "Die Gebäude stehen Feuermauer an Feuermauer."

Es sei daher zu erwarten, dass sich der Lärm der die Rampe hinauffahrenden Autos direkt auf das Nachbarhaus überträgt. Davon wären wieder Martina Fondi und ihre Mieter betroffen. Sie erwartet ohnehin, dass der Verkehr und die Parkplatznot durch den Neubau zunehmen. Wer den Garagenstellplatz nicht benötige, werde ihn vermieten. So entstünde zusätzlicher Verkehr durch Pendler, meint sie. Der Lärm, so Holländer, werde überdies durch die Belüftung der Tiefgarage und die geplante Wohnraumbelüftung der Wohnungen zunehmen.

Forderung nach Schutzzone

Rudolf Rappel und Martina Fondi sprechen sich gegen einen Abriss der Hetzgasse 8 aus und wollen eine Widmung des Viertels als Schutzzone. Wann diese kommen könnte, ist offen. Die zuständige MA19 (Architektur und Stadtbild) hatte bereits im März 2015 - noch vor der offiziellen Einreichung der Baupläne - keine Einwände gegen den Neubau formuliert, obwohl sie, wie aus einem E-Mail hervorgeht, eine ruhigere Fassade statt der vielen kleinen Balkone und Erker vorziehen würde.

Wie die MA19 daher die laufende Flächenwidmung als Schutzzone beurteilen wird, ist daher fraglich. Für das Weißgerberviertel ist die Schutzzone entscheidend, denn durch die Nähe zu Wien-Mitte ist der Verwertungsdruck erheblich. "Ich bekomme jede Woche mindestens zwei Anfragen von Immobilienfirmen, die mein Haus für ganz enorme Summen kaufen wollen. Sie glauben doch nicht, dass die sanieren würden? Es ist viel lukrativer abzureißen", meint Rudolf Rappel.