Wien. Noch ist es ruhig in der Süßenbrunner Straße. Das hohe Gras am Feld gegenüber der Nummer 15 wiegt beim Rundgang der "Wiener Zeitung" sanft im Wind. In der Ferne ist die Südost-Tangente (A23) sichtbar. Von dort (Anschlussstelle Hirschstetten) soll die sogenannte Stadtstraße als Verbindung zur S1 (Anschlussstelle Seestadt West) durch Hirschstetten führen. 3,8 Kilometer lang wird das Teilstück, das von der städtischen MA 28 (Straßenverwaltung und Straßenbau) verantwortet wird. Zwei Tunnel soll es geben, 230 Millionen Euro sind für das Projekt veranschlagt, die der Stadt vom Bund rückerstattet werden. Damit hat man dann aber erst die Hälfte der Verbindung - für die andere Hälfte ist die Asfinag zuständig.

Heinz Mutzek, Koordinator des BürgerInnen-Netzwerks Verkehrsregion Wien-NÖ-Nordost (BNWN), zeichnet beim Lokalaugenschein ein düsteres Zukunftsbild: "Über die Felder und Wiesen, knapp vorbei an Schlosspark, Friedhof, Kindergärten und Schulen geht die vierspurige Straße dann", erklärt er. Vorbei mit der Idylle, der Ruhe und dem Kinderlärm. Um Platz für die Auf- und Abfahrten in den geplanten Tunnel zu schaffen, soll die Ziegelofenstraße teilweise über den Vorplatz der Blumengärten Hirschstetten geführt werden, erklärt Mutzek. Das Verkehrsband, das sich dann durch diesen Teil der Donaustadt zieht, ist zwischen 17 und 20 Meter breit.


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Stadtstraße-Video der MA 28

Video des BNWN
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Nach der Quadenstraße, hinter den Gemeindebauten und der Schnellbahn taucht die Stadtstraße wieder aus dem Untergrund auf - dort, wo derzeit noch Glashäuser stehen. Nach der Unterquerung der U2 bei deren Station "Hausfeldstraße" - während des Baus müsste die U-Bahn kurzgeführt werden, so Mutzek- verläuft die Stadtstraße wieder unterirdisch, und wird in weiterer Folge erneut unter der Schnellbahnstrecke hindurchgeführt. Bei der Seestadt mündet die Stadtstraße dann in die S1-Spange Seestadt Aspern (siehe Grafik). "Grünraum und landwirtschaftliche Flächen gehen verloren. Die Stadtstraße bringt zusätzlichen Lärm, Feinstaub und Stau - von einer Entlastung der Ortskerne kann keine Rede sein", klagt Mutzek.

Um die Bevölkerung "unabhängig" zu informieren, startet das BNWN mit einem Info-Abend eine neue Kampagne. Zur Veranstaltung "Stadtstraße Aspern - Transitachse im Herzen der Donaustadt" am kommenden Dienstag, um 18.30 Uhr (Pfarre St. Claret-Ziegelhof, 22., Quadenstraße 53) sind der Umweltmediziner Hanns Moshammer, Verkehrswissenschafter Harald Frey, UVP-Spezialist Johann Raunikar und die Fachärztin für Kinder-Lungenkrankheiten Regina Rath-Wacenovsky eingeladen.

Immer mehr Menschen wollen im Bezirk mobil sein

Dabei ist der Bürgerinitiative klar, dass die Bevölkerung in der Donaustadt in den kommenden Jahren weiter wachsen wird. Dass diese Menschen auch mobil sein wollen und werden, stellt ebenso niemand in Frage, genauso wenig wie die Tatsache, dass auch jene, die schon länger in der Donaustadt leben, mit Veränderungen klar kommen werden müssen. Wie mehr Menschen im und durch den Bezirk transportiert werden sollen, ohne zu einer zu starken Beeinträchtigung der - alten und neuen - Anrainer zu führen, daran scheiden sich allerdings die Geister. Für das BNWN wäre es wichtig, dass auch der Öffentliche Verkehr und das Radwegenetz bis an den Stadtrand ausgebaut werden, auch fehlten noch derartige Querverbindungen zwischen der Seestadt und den "alten" Stadtteilen. Immerhin ist die Reduktion des Motorisierten Individualverkehrs (MIV) auch ein Ziel des Masterplan Verkehr der Stadt Wien.

Entlastung durch leichtere Durchquerung?

Auf den Ausbau der Öffentlichen Verkehrsmittel setzen auch die Grünen im Bezirk. Hier fordert Heidi Sequenz, Klubobfrau der Donaustädter Grünen, etwa auch die Ausdehnung der Kernzone um eine Außenzone, denn den meisten Verkehr bringen die Pendler. Ihr größter Kritikpunkt an der Stadtstraße ist, dass die versprochene Verkehrsentlastung für die historischen Ortskerne nicht kommt. Um das zu erreichen bräuchte es Ampeln und Möglichkeiten der Querung - derzeit ist nur eine große Kreuzung bei der Quadenstraße geplant. Mehr Verkehrsberuhigung könnte durch eine Redimensionierung der Straße möglich sein.

Auch dem Donaustädter Bezirksvorsteher Ernst Nevrivy (SPÖ) ist der weitere Ausbau der Öffentlichen Verkehrsmittel und des Radwegenetzes ein Anliegen. Dennoch ist für ihn die Stadtstraße notwendig. Derzeit gibt es nur zwei Möglichkeiten, die Donaustadt zu durchqueren: auf der Breitenleer Straße und der Erzherzog-Karl-Straße bzw. Groß-Enzersdorfer Straße. Damit der Verkehr durch den Bezirk in Richtung A23 fließen kann, braucht es die neue Straße, um in weiterer Folge auch die Ortskerne und Wohngebiete zu entlasten, ist Nevrivy überzeugt.

Die Erhebungen der MA 28 scheinen ihm recht zu geben. Kurzzeitmessungen des Verkehrs im Projektgebiet haben ergeben, dass es zu einer Entlastung kommen soll, genaue Zahlen wurden keine genannt. Weiters sind in die Berechnungen für die "verkehrlichen Nachweise" der Stadtstraße auch die künftigen Trends wie das Bevölkerungswachstum oder der Modal Split eingeflossen, heißt es von Seiten der MA 28 zur "Wiener Zeitung".