Das Universitätsorganisationsgesetz des Jahres 1975 hat die radikalste mir bekannte Umstrukturierung herkömmlicher Hochschulen zu "Gruppenuniversitäten" eingeleitet. Dies geschah mutwillig, ohne

Druck von der Straße, doch nicht ohne Bezug auf das Jahr 1968. Das heimliche Ideal des UOG 75 war die "Drittelparität". Es hat mir noch niemand plausibel zu erklären vermocht, warum jeder der drei

universitären "Kurien" · Professoren, Assistenten und Studenten · gerade ein Drittel (33,3 Prozent) an Mitspracherecht und Repräsentanz in den Kommissionen zukommen sollte. Vermutlich hing dies, über

Hegels Dialektik, irgendwie mit der hl. Dreifaltigkeit (Trinität) zusammen; die Zahl 3 ist ja schon von jeher eine magische Zahl gewesen.

Zähneknirschend mußte man dann von diesem Ideal bei Habilitationen, Bestellungen, Berufungen und sonstigen sensiblen Bereichen auf weniger harmonische Paritäten zurückstecken, in der Befürchtung, die Professoren könnten sonst resignieren und sich aus der Verantwortung verabschieden, und in der · nicht ungerechtfertigten · Hoffnung, die Studenten

würden in der Regel mit den Assistenten stimmen und damit den Professoren Paroli bieten.

Die somit festgeschriebenen Machtverhältnisse forderten zu wissenschaftsfremder Interessenspolitik geradezu auf. Seit 1975 wird an unseren Universitäten "gepackelt". Die Gruppenuniversität versteht

sich als staatlich geförderte Versuchsstation einer besseren, sozial gerechteren, politisch korrekteren Gesellschaft. Hierunter haben aber die herkömmlichen Zweckbestimmungen der Universität, vor

allem die Forschung, gelitten. Nicht, daß diese direkt behindert würde; entmutigt aber wird sie schon. Sie scheint als eine Art von privatem Hobby betrachtet zu werden, das man auch zu weit treiben

kann. Hierunter leidet vor allem die universitäre Personenkategorie, der vorliegender Beitrag gewidmet ist, der wissenschaftliche Nachwuchs.

Seit es sie gibt, hat sich die Gemeinschaft der Wissenschafter durch Kooptation ergänzt und durch Lehrer-Schüler-Beziehungen verewigt. Die Universität ist eine Institution, die von dieser

Gemeinschaft hervorgebracht worden ist. Die Förderung wissenschaftlichen Nachwuchses gehört daher zu ihren ureigensten Aufgaben, die sie in ihrer langen und wechselvollen Geschichte manchmal besser

und manchmal auch schlechter erfüllt hat. Die österreichische Gruppenuniversität ist hier auf einem Tiefpunkt angelangt, der sich als point of no return erweisen könnte.

Laufbahn im Mittelbau

Jung, strebsam, diplomiert, hervorragende Leistungen · wie sollte man sich da noch für den wissenschaftlichen Nachwuchs engagieren? Kann der nicht für sich selbst sorgen? · Der Begriff "Nachwuchs"

hat ja so etwas beruhigend Natürliches. Doch auch beim Wald haben wir mittlerweile verstanden, daß er sich nicht von selbst versteht. Um wieviel weniger bei einer menschengemachten, empfindlichen

Institution wie der Universität! Begabung und Neigung zur Wissenschaft gehen nicht immer mit Robustheit einher. In unwirtlicher Umwelt verzagt, versandet, entartet so mancher; andere wandern ab in

die Praxis oder ins Ausland und gehen so unseren Universitäten verloren.

Noch immer ist auf Mittelbaustellen wissenschaftlicher Nachwuchs zu finden. Doch es wäre verhängnisvoll, diesen mit dem Begriff "Mittelbau" gleichzusetzen. Mittelbau nennt man Assistenten, die

nicht mehr assistieren. Dieser hat sich durch das UOG 75 als tragender Mittelpfeiler der Gruppenuniversität konsolidiert. Die Mittelbaustellen sind darauf angelegt, zu Lebenszeitstellen zu werden, für welche man sich weniger durch wissenschaftliche

Leistungen als durch solche in der Lehre, der Verwaltung und den Kommissionen qualifiziert.

Diese Mittelbaulaufbahn ist allerdings von der eigentlichen wissenschaftlichen Laufbahn nicht deutlich unterschieden. Es liegt ja auch im Interesse vieler, daß sie das nicht wird. Eben dank dieser

Unklarheit führt sie ja inzwischen, vor allem durch großzügig gehandhabte Hausberufungen, auch schon auf die Professorenstellen. Dem wissenschaftlichen Nachwuchs, innovativ, kritisch, risikobereit

und unabgesichert wie er ist, ist ein solches Habitat ungünstig.

Bei vorausschauender Personalpolitik müßte auf den Mittelbaustellen vornehmlich wissenschaftlicher Nachwuchs sitzen. Eine vorausschauende Personalpolitik ist nun aber fast unmöglich geworden. Einst

waren solche Stellen als Qualifikationsstellen gedacht. Auf ihnen sollte man zeigen, ob man für die wissenschaftliche Laufbahn geeignet ist oder besser in der Praxis aufgehoben sei. Nun gleitet man

auf ihnen nach wenigen, nicht sehr strengen Überprüfungen in die Unkündbarkeit hinüber. Die überprüfende Instanz ist nach dem auf den meisten österreichischen Universitäten weiterhin geltenden UOG 75

die "Personalkommission". In dieser sitzen zur Hälfte Persönlichkeiten, die man als zu Gärtnern gemachte Böcke bezeichnen muß: potentielle Postenanwärter bzw. Kollegen der zu Überprüfenden. Es ist

ganz klar, daß diese Konstellation zu allerlei gegenseitigen Gefälligkeiten einlädt. Die Personalkommissionen haben nunmehr 23 Jahre für die ihnen Anvertrauten segensreich, für die Institution