"Art Nouveau": Afrikanische Kunst aus Handys und Blechschrott. - © Spreitzhofer
"Art Nouveau": Afrikanische Kunst aus Handys und Blechschrott. - © Spreitzhofer

Menschenrechte, Marginalisierung und Partizipation haben mittlerweile andere Prioritäten und Gesichter bekommen. George Soros, der aus Ungarn stammende Finanzguru, hat mit seiner Stiftung in den USA die Errichtung des Gorée Institute mitfinanziert, das 1992 zur Förderung des gesellschaftlichen Fortschritts in ganz Afrika gegründet wurde. Hier finden Weiterbildungsseminare über Demokratie und Menschenrechte ebenso statt wie kulturelle Veranstaltungen. Und das Gorée Diaspora Festival ist seit Langem ein jährlicher Fixpunkt der westafrikanischen Kulturszene.

Siebzehn Mal wechselten die Besitzer des Inselchens, oft auch dessen Name: 1444 vom portugiesischen Kapitän Dinis Diaz als Ilha de Palma bezeichnet, veränderte die Niederländische Westindienkompanie die Bezeichnung auf Goerée (eine holländische Insel), bis Dänen, Briten, Franzosen und der Senegal sich auf den heutigen völkerrechtlichen Status der Insel einigen konnten: Teil von Senegal, eine der Zentralen der westsaharischen Frankophonie, seither ein bunter Flecken von touristischem Afro-Multikulti aus aller Welt.

Rund 1300 Menschen sollen hier leben, doch tagsüber kommen, vor allem an Wochenenden, viele hundert dazu - meist Tagesausflügler aus Dakar, manchmal auch ein paar tausend Kreuzfahrtspassagiere auf einmal, die rasch für Bewegung unter den Hafenhändlern sorgen und die Preise für Couscous und Cola ein paar Stunden lang in schwindelerregende Höhen treiben.

Keine Straßen & Autos

Asphaltierte Straßen gibt es auf Gorée keine, Autos auch nicht, und summende Elektrokarren schon gar nicht. Dafür viele enge, sandige, holprige Gässchen zwischen gelb und rot getünchten Zäunen und einigen Ruinen, vor denen Obstsäcke gestapelt und Paprika geputzt werden. Schatten spenden ein paar stämmige Baobabs, viele echte Palmen - und unechte: Denn die Funkantenne für das lokale Mobiltelefonnetz steht - als dunkelgrüne Plastikpalme getarnt - am hinteren Ende der Festungsanlage. Mittlerweile gibt es sogar einen Internet-Hotspot unter einem mächtigen Banyan-Baum vor dem Rathaus, mit Unterstützung der Europäischen Union, wie ein Messingschild am Place de l‘Europe verkündet.

Unter dem dichten Blätterdach lässt sich prächtig surfen, was für die Strände rundum nicht unbedingt gilt - vom Hafenbecken abgesehen, ist die Insel ein schroffer Brocken Fels im Atlantik mit riskantem Zugang zum Wasser, wo sich schon andere wehgetan haben. Kein Wunder, dass die Steilküste hier in den 1960ern zur Kulisse des Oscar-prämierten Hollywood-Films "Die Kanonen von Navarone" (mit Gregory Peck) auserkoren wurde. Und Kanonen stehen, liegen und rosten wahrlich noch genug herum auf Gorée, bloß die Feinde sind abhandengekommen, die sich davon schrecken ließen.