- © Spreitzhofer
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Rund um das alte Fort jenseits des Hafens hat sich eine Künstlerkolonie gebildet. Maler und Bildhauer haben sich hier ihre eigene Welt erschaffen, in kleinen Hütten, Felsspalten und Löchern, wo auch so manche Ziege wohnt. Bilder, Holztiere und allerlei Figuren stehen auf dem Boden oder hängen von den Bäumen, viele davon noch nass von Farbe und Lack.

Skyline von Dakar

Auf den Kanonen sitzen malende Kinder, auf anderen trocknen ihre Shirts - Dressen von Didier Drogba und Yaya Tourè und anderen westafrikanischen Fußballstars, die es bis in Europas Topligen geschafft haben und ihre Karriere dann oft, hoch honoriert, in nordamerikanischen Profiligen ausklingen lassen. Freiwillig, versklavt höchstens durch lebenslange Werbeverträge und diffuse Managerkontrakte.

Weit draußen gehen allabendlich die Lichter im Hafen der senegalesischen Hauptstadt an und machen das Festland endlich sichtbar. Die Skyline von Downtown Dakar taucht auf, im diesigen Smog der Millionenmetropole, einem neuen Stützpunkt des modernen Sklavenhandels Richtung Europa.

60 Kilogramm musste man einst mindestens wiegen, um die Strapazen der Verschiffung nach Amerika zu riskieren. Nicht alle der selbst ernannten Kunststudenten wie Mamadou, der gerade in seinem Schuppen Siesta macht, wären wohl mitgenommen worden: "Oranger Sand aus Mali, dunkelbrauner aus Mauretanien, grüner aus dem Saloum-Delta und gelber aus St. Louis, einer Küstenstadt in Nordsenegal", das seien die Grundlagen für seine Kunstwerke, sagt er, und verstreut mit Schwung ein paar Sandkrümel, die auf einer Spanplatte kleben bleiben.

Und dann gibt es noch die Avantgarde der Artisten, die aus alten Handys, Festplatten, Blechdosen und modernem Elektroschrott Tiere und Figuren basteln. Art Nouveau. Und eine bekömmlichere Art des Handels, der vor der Abfahrt des letzten Fährschiffes zurück ans Festland nicht nur die Preise für senegalesischen Silberschmuck in den Keller rasseln lässt. Bon soir, Gorée!