Zweieinhalb Stunden Fahrt für 36 Kilometer. Im Schritttempo rollt der Allradwagen bergan. "Das ist nichts im Vergleich zur Regenzeit", sagt Romaldo da Custo und schaltet schon wieder in einen anderen Gang. Geschickt weicht er einer metertiefen Furche aus, die sich mit dem Monsunregen wie die meisten Wege in Timor-Leste (= Osttimor) in eine schlammige Falle für Fahrzeuge verwandeln wird. Ringsum pittoreske Berge, die Ausläufer des sogenannten Bandabogens. Es sind Felsformationen vulkanischen Ursprungs, die gleich hinter der Hauptstadt Dili steil empor ragen.

Jenseits der Seestraße von Ombai, in der die Frachtschiffe ferner Länder im Transit vorüberziehen, werden die Verhältnisse rauer und die Lebensbedingungen herausfordernder. Die Dörfer im Inneren des Inselstaates bleiben nur schwer zugänglich.

Hölzerne Rundhütten mit strohbedeckten Dächern tauchen abseits der Küste auf. Ein traditioneller Baustil, der seine Wurzeln im melanesischen Archipel weiter östlich hat und bis heute zwei Drittel aller Gebäude im Land prägt. Vor uns stehen Felismina und Felismino, ein ergrautes Ehepaar, das zur Begrüßung einen Tais in den Händen hält. Die handgewebten Schals in bunten Farben dienen als Geschenk und drücken Anerkennung gegenüber Besuchern aus.

"Wir haben die Hoffnung, dass mit der neuen Kooperative für uns das Leben besser wird", sagt der 72-jährige Felismino, der so etwas wie der Vorsteher des Dorfes Kibra ist. Eine Siedlung auf rund 2000 Metern Höhe, die eben noch vom Tatamailau, dem höchsten Berg des Zwergstaates, überschattet wurde. Binnen Minuten ziehen dicke Wolken heran, es wird dunkel und kalt. Die umliegenden Bäume, Felder und Rundhütten geraten in die nassen Klauen des Himmels - und machen plausibel, weshalb die Idee einer landwirtschaftlichen Zusammenarbeit hier heroben in den Bergen Timor-Lestes Sinn macht.

Einfache Gewächshäuser werden mit Mikrofinanzhilfen errichtet. - © Tornow
Einfache Gewächshäuser werden mit Mikrofinanzhilfen errichtet. - © Tornow

"Zusammen können wir es schaffen und uns Gewächshäuser bauen", schildert der Bürgermeister die Träume der Familien inmitten der eigenwilligen Naturschönheit, die mühelos als Kulisse für einen Fantasy-Film herhalten könnte. Die Gewächshäuser, die vieles erleichtern sowie die Einnahmen erhöhen sollen, sind einfache Konstruktionen, für die die Menschen Bambusrohr aus der Umgebung abschneiden und zu kleinen Gerüsten auf ihren Feldern zusammenstecken. Die robusten Klarsichtfolien aber, die über die Halme gespannt werden, um die Wärme der Sonne darunter aufzustauen, kosten für hiesige Verhältnisse ein kleines Vermögen.