Alle Familien hier leben von der Subsistenzwirtschaft. Mit etwas Glück bleiben einige wenige US-Dollar, der die offizielle Währung des südostasiatischen Landes darstellt, als Ersparnis übrig. Internationale Organisationen sind engagiert, um Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten. "Eine Familie allein könnte kaum den Bau der einfachen Gewächshäuser stemmen", erklärt da Custo, der als Entwicklungshelfer seine Landsleute unterstützt. "Doch zusammen als Kooperative und mit einem Mikrofinanzprojekt ist dies sehr wohl möglich."

Beispielsweise in Aileu, 36 Kilometer weiter nördlich. Hier profitieren die 21 Teilnehmer der Kooperative Hrer bereits von höheren Einnahmen. Alle zahlten zunächst eine Minimalsumme in eine Gemeinschaftskasse, aus der dann Folien, Naturdünger und andere Bestandteile für nachhaltige Landwirtschaft finanziert wurden. Mit jedem extra verdienten US-Dollar konnte man sich gemeinsam mehr leisten. Inzwischen springen kleine Gewinne für alle heraus. Ein großer Supermarkt in Dili kauft die gesamte Ernte zu festen Preisen direkt vom Feld und aus den Gewächshäusern an. Brokkoli, Blumenkohl, verschiedene Sorten Süßkartoffeln - alles findet Abnehmer. "Viele Timoresen bedenken ihre Zukunft nicht", bedauert die Projektteilnehmerin Eleonora Soares. "Aber in unserer Mikrofinanzgruppe wird genau das thematisiert."

In der felsigenTopografie von Timor-Leste wird Entwicklung zur Herausforderung. 
 - © Tornow

In der felsigenTopografie von Timor-Leste wird Entwicklung zur Herausforderung.

- © Tornow

Es sind kleine Schritte für etwas Wohlstand, die allein schon wegen der herausfordernden Topografie Zeit und Mühe kosten. "Wir sind froh, dass sich jemand um uns kümmert", sagt Tomas da Silva, Bürgermeister der Gemeinde Gourema, die von einem gesponserten Kinderhort mitten in einer von Moosen grün gefärbten Felslandschaft profitiert.

In der nahegelegenen Bezirksstadt Maubisse, flankiert von haushohem Bambus, sind die Spuren der Vergangenheit zu besichtigen, die die Portugiesen hinterlassen haben. Auf ihren Streifzügen durch die Weltmeere schlugen die einst führenden Navigatoren auch in Südostasien Siedlungen auf. 1515 in Timor-Leste, wo in Maubisse der Pouzada entstand, eine Art Gouverneurssitz mit Terrassen und imposantem Ziergarten, der auf einem markanten Fels mit atemberaubendem Ausblick errichtet wurde.

Lukrative Kolonie

Die religiösen Befindlichkeiten der Einheimischen spielten dabei keine Rolle: Für den Palast, der seine architektonischen Vorbilder an der portugiesischen Algarve haben könnte, wurde kurzerhand ein angestammtes Heiligtum, ein Geisterhaus, abgerissen. Die östliche Hälfte der Insel Timor - eingeklemmt zwischen dem australischen Kontinent im Süden und der seinerzeit niederländisch besetzten Inselwelt Indonesiens im Norden - wurde zur lukrativen Kolonie. Jahrhunderte bedienten sich die Südeuropäer bei Sandelhölzern und anderen Naturprodukten, drückten dem kleinen Land ihre katholische Religion und ihre romanische Sprache auf.

Bis mit der Nelkenrevolution 1974 in Lissabon auch für die Kolonien in Übersee die Zeit für mehr Freiheit gekommen war. Den Ost-Timoresen wurde sie allerdings 1976 schon wieder genommen, denn die indonesische Armee marschierte ein. Aus der administra- tiven Sicht Jakartas ein logischer Schritt - für die eigenständig entwickelte Kultur Timor-Lestes hingegen eine Katastrophe. Tetum, die aus portugiesischen, malaysischen und melanesischen Wurzeln entstandene Landessprache, wurde verboten. Indonesische Namen wurden ausgegeben und die eben als überwunden geglaubte Ausbeutung ging unter neuer Direk-tion weiter.