Hinterlassenschaft der Türkenzeit: Moschee des Pascha Jakowali Hassan, an der Ringstraße um die Altstadt von Pécs gelegen. - © Heilingsetzer
Hinterlassenschaft der Türkenzeit: Moschee des Pascha Jakowali Hassan, an der Ringstraße um die Altstadt von Pécs gelegen. - © Heilingsetzer

Die deutsche Einwanderung erfolgte in unterschiedlicher Intensität vom Ende des 17. bis zum Ende des 19. Jahrhunderts. Im Laufe von zwei Jahrhunderten entstanden bis zur Zwischenkriegszeit des 20. Jahrhunderts mehr als 200 deutsche Siedlungen in Südtransdanubien, wie die Region auch bezeichnet wird.

Den ersten großen Bruch im Zusammenleben der Ungarn und Ungarndeutschen stellte die Zwischenkriegszeit dar. Zwar hatte sich unter großem Magyarisierungsdruck auf Staats- und Schulebene nach der Machtergreifung Hitlers in Deutschland im Jahr 1933 in Ungarn die "Volksdeutsche Kameradschaft", die später im "Volksbund der Deutschen in Ungarn" aufging, gebildet, doch standen auch viele Ungarndeutsche, die seit zwei Jahrhunderten friedvoll mit anderssprachigen Menschen zusammengelebt hatten oder im Austausch gewesen waren, dem Nationalsozialismus kritisch gegenüber.

Aussiedelung

Der Zweite Weltkrieg bedeutete den zweiten großen Bruch für diese Koexistenz. Bereits vor Kriegsende wurden Ende Dezember 1944 viele Ungarndeutsche zur Zwangsarbeit in die Sowjetunion verschleppt, später begann nach Entnazifizierungsverfahren die Enteignung, Entrechtung und Verfolgung jener Deutschen, die dem "Volksbund" oder der "Waffen-SS" angehört hatten oder die ihre Treue zu Ungarn in den Kriegsjahren nicht unter Beweis stellen hatten können. Zwischen 1946 und 1948 wurde etwa die Hälfte der Ungarndeutschen aus Ungarn, das durch die Potsdamer Beschlüsse ermächtigt war, seine gesamte deutsche Bevölkerung auszusiedeln, aus ihrer Heimat ausgewiesen.

Die deutsche Minderheit ist mit rund 200.000 Personen die größte nationale Minderheit. In der Region rund um Pécs (Fünfkirchen) gibt es 110 Siedlungen, in denen eine deutsche Selbstverwaltung besteht. Pécs mit rund 150.000 Einwohnern ragt aus dem Siedlungsbild, das durch Dörfer und Kleinstädte gekennzeichnet ist, hervor - die Stadt fungiert seit der Römerzeit als administratives, wirtschaftliches, kulturelles und sakrales Zentrum der Region. Die Studentenstadt ist auch für das Kulturleben der Ungarndeutschen prägend, viele sind in den letzten Jahrzehnten aus den umliegenden Dörfern in die Großstadt gezogen.

Am Fuße des sogenannten Mecsekgebirges, nördlich von Pécs, befinden sich einige Dörfer, die noch eine überwiegend deutsche Bevölkerung aufweisen. Ich bewege mich durch eine rurale Landschaft aus sanften Hügeln, fruchtbaren Tälern, kleinen Becken und Furchen, in denen sich Bäche und Flüsse ihren Weg bahnen, und gelange nach Mecseknádasd (deutsch Nadasch), mit rund 1500 Einwohnern eine der größeren noch stark deutsch geprägten Gemeinden im Süden.

Ein großer Anteil der Bevölkerung ist deutschstämmig, und Deutsch blieb auch bei den nach dem Zweiten Weltkrieg geborenen Ungarndeutschen, die in Ungarn bis heute ungeachtet ihrer Herkunft aus vielen deutschen und habsburgischen Gebieten als "Schwaben" (ung. Svábok) bezeichnet werden, zumindest die dominierende Zweitsprache.