Hinweisschild des Heimatmuseums von Nadasch. - © Heilingsetzer
Hinweisschild des Heimatmuseums von Nadasch. - © Heilingsetzer

Das deutsche Dorf Nadasch entstand während der Regentschaft Kaiser Karls VI. ab dem Jahr 1718, als die ersten fränkischen Ansiedlerfamilien kamen. Die größte Ansiedlerguppe, mehr als 70 Familien, dürfte aus dem Fuhrmannsdorf Frammersbach, heute eine Marktgemeinde im Landkreis Main-Spessart in Unterfranken, gekommen sein. Von den betagteren Nadaschern wird heute noch eine Varietät jenes Frammersbacher Dialekts gesprochen, wie dieser Anfang des 18. Jahrhunderts geklungen haben mag.

Selbstverwaltung

János Krasz, ein Enddreißiger, führt das Restaurant "Trib". Seine Mutter, eine geborene Amrein, könne ihren Stammbaum bis zu den Einwanderern aus Frammersbach zurückverfolgen. "Ich bin die ersten zwei Jahre bei meinen Großeltern, die nur Schwäbisch sprachen, aufgewachsen, weil meine Eltern arbeiteten", erklärt János, der an diesem Abend mit ein paar Freunden die Geburt seines ersten Kindes bejubelt. "Mein Mädel wird natürlich Deutsch lernen", sagt er, der sich als "Ungar mit deutschen Vorfahren" definiert.

Grabsteine und Kirchlein auf dem Alten Friedhof von Nadasch. - © Heilingsetzer
Grabsteine und Kirchlein auf dem Alten Friedhof von Nadasch. - © Heilingsetzer

Mit einem Besuch der beiden Friedhöfe, dem Alten Friedhof etwas außerhalb und dem Neuen Friedhof auf dem schönen Kalvarienberg im Ort, taste ich mich näher an die Geschichte der Siedler heran. Man erfährt anhand der Inschriften über die Arbeit, Kultur, religiöse Vorstellungen und Gedanken der Bewohner und den Wandel in der Bevölkerung.

Die deutschen Katholiken, die ihre Grundstücke zugeteilt bekommen hatten, bauten Wein an, konstruierten Mühlen und arbeiteten mit Holz, Stein und Lehm. Nebenbei besaßen die Handwerker Weingärten und Felder, um Lebensmittel, Wein und Futter für die Tiere herstellen zu können.

Szilvia Krasz-Auth ist Vorsitzende der deutschen Selbstverwaltung in Nadasch. Die 1978 geborene Ökonomin wurde für fünf Jahre in ihr Amt gewählt. Es gehe der Selbstverwaltung, die in eine Dachorganisation eingegliedert ist, darum, die deutsche Kultur zu bewahren. "Es wurde ein Lehrpfad eröffnet, es werden viele Veranstaltungen, unter anderem eine Vortragsreihe, durchgeführt, für die Kinder werden Mundart- und Prosawettbewerbe in der Grundschule gemacht. Wir unterstützen die Tanzgruppe, den Chor und die Blaskapelle, die für die deutsche Kultur etwas tun", erklärt Krasz-Auth. Seit Jahren gebe es einen Stammtisch in der Winterzeit, an dem sich vor allem ältere Leute einfinden würden.

"Wir treffen uns jeden Mittwoch am Abend in einem Restaurant. 30, 40 Leute kommen da zusammen und singen, vom Akkordeon begleitet, deutsche Volkslieder", erzählt der 70-jährige Pensionist Anton Schramm. Er leitete neben seinem Beruf als Tontechnikingenieur am Nationaltheater in Pécs die 1953 in Nadasch gegründete ungarndeutsche Tanzgruppe, die mit einer kleinen Kapelle ausgedehnte Tourneen durch die Dörfer der verschiedenen Komitate, nach Deutschland, Österreich und Holland sowie in benachbarte Länder durchführt.

Heute habe die deutsche Sprache sowohl im Kindergarten als auch in der Grundschule, wo die ungarischen und deutschstämmigen Kinder acht Stunden Deutsch in der Woche lernen, ihren Platz.