Adam Arnold und Maria Frank im sogenannten "Deutschen Haus" von Nadasch. - © Heilingsetzer
Adam Arnold und Maria Frank im sogenannten "Deutschen Haus" von Nadasch. - © Heilingsetzer

Adam Arnold, Jahrgang 1932, und Maria Frank, Jahrgang 1933, haben miteinander schon die Schulbank gedrückt. Auch jetzt sitzen sie im sogenannten "Deutschen Haus", das die Gemeinde Nadasch wie auch weitere Gebäude dem Chor, der Tanzgruppe und für andere Aktivitäten zur Verfügung stellt, nebeneinander. Sie wirken vertraut, sind aber nicht immer der gleichen Ansicht.

Maria Frank, die einer Nadascher Bauersfamilie mit landwirtschaftlichen Flächen und vier Weingärten entstammt, erzählt, sie sei hier geboren und habe immer hier gewohnt. Fast immer. Sie kommt im fränkischen Dialekt auf Ende April 1945 zu sprechen.

"Im Johr 1945 han sie schon die Schwobe gehasst. Da is eine Trommel durchs Dorf gangen, und die ham gesacht, jedes muss das Haus verlasse, die Türen darf man nicht abschließe, jedes muss auf den Marktplatz gehen. Aufs Glschloss Lendl [ung. Lengyel] hams uns, hams viele hunderte Schwobe neigetriebe. Zum esse nix, Wassernot. Mia hadde immer Durscht", schildert die alte Frau mit immer noch ungläubigem Entsetzen die Geschehnisse.

Auf Schloss Apponyi in Lengyel, das zuvor als Krankenhaus für sowjetische Soldaten gedient hatte, müssen unbeschreibliche Zustände geherrscht haben, als nach dem Zweiten Weltkrieg dort bis zu 20.000 Ungarndeutsche, vor allem alte Menschen, Frauen und Kinder, zusammengepfercht interniert waren, während ihre Häuser von Szeklern aus der Bukowina sowie Ungarn aus Nachbarländern, die von den Ungarndeutschen als die "Telepesch" (ungarisch Telepes, deutsch Siedler) bezeichnet werden, in Besitz genommen wurden.

Ausweisung & Rückkehr

Nach einigen Monaten in Nadasch, in denen Familie Frank mit "schlechten Rumänen und Ungarn" unter einem Dach lebte, sollte die Aussiedlung der Deutschen von dort erfolgen. Am 3. Juli 1946 wurde im ganzen Dorf verlautbart, dass sich die zur Aussiedlung vorgesehenen Menschen vorbereiten sollten, am nächsten Tag würden zwei Züge abfahren.

Es wurde die ganze Nacht gepackt, pro Person durften 80 Kilo Kleidung und 20 Kilo Lebensmittel mitgenommen werden. "Uns haben sie alles weggenommen, wir sind nur mit ein paar Bündeln fort. Drei Wochen waren wir im Viehwaggon bei großer Hitz’. Nach Österreich bis Haag waren wir ausgliefert, da ham sie uns nicht angenommen und wir sind wieder zrück nach Nadasch", erzählt Maria Frank.

Nach einer dreiwöchigen Wartezeit bei Haag, wo die Amerikaner die Weiterreise unterbanden, wurde den Auszusiedelnden mitgeteilt, dass sie zurück nach Ungarn müssten. Die Aussiedlung sei mit dem 1. Juli eingestellt worden, es dürfe kein Zug nach Deutschland weitergelassen werden. Also ging es zurück in Richtung Ungarn, wo die Ungarn die Vertriebenen wiederum nicht mehr einreisen lassen wollten. Nach einer Wartezeit wurde der Zug schließlich doch nach Kecel, jenseits der Donau in der Südlichen Großen Tiefebene, verwiesen, wo Pferdewagen warteten, die die Leute nach Hajosch (ungarisch Hajós) brachten. Dort konnten die Leute bei schwäbischen Familien unterkommen, ehe sie wieder nach Nadasch zurückkehrten.