Die ersten Jahre nach dem Krieg müssen, nicht nur in wirtschaftlicher Hinsicht, die schwersten für die Ungarndeutschen gewesen sein. "Nach dem Krieg war erst eine schlechte Zeit. Wir Schwobe hadde koa Recht ned", erinnert sich der gelernte Steinmetz Adam Arnold, der mit seiner Frau in seiner "Muttersproch Schwobisch" rede. In den frühen 1950er Jahren sei es für die Ungarndeutschen wieder besser geworden, man habe ihnen wieder mehr vertraut.

Maria Frank kehrte ebenfalls aus Hajosch nach Nadasch zurück. Das Elternhaus, das sie erst viele Jahre später zurückkaufen konnte, war längst in fremdem Besitz. Sie konnte mit ihrer Familie bei einem Onkel im Haus der "ausgelieferten Oma" unterkommen. Viele "Telepesch" seien wieder aus Nadasch verschwunden, weil es ihnen hier zu hügelig gewesen sei.

Maria Frank hat noch etwas auf dem Herzen. Eine abenteuerliche Finte, die ihre Familie nach der Rückkehr aus Hajosch im Winter 1946/47 vor dem Verhungern bewahrt habe, möchte sie unbedingt erzählen. Vor der "Auslieferung" habe ihr Vater einem Mann im benachbarten Weiler Obánya ein neues Pferdegeschirr versprochen. Man vereinbarte, dass der Mann für das Stück bezahlen würde, sollte die Familie wieder in die Gegend zurückkehren, sonst könne er es behalten.

"Schöne Kindeszeit"

Die deutsche Ortschaft Nadasch, vom Kalvarienberg aus betrachtet. - © Heilingsetzer
Die deutsche Ortschaft Nadasch, vom Kalvarienberg aus betrachtet. - © Heilingsetzer

"In Obánya wor einst a Mann gstorbe. Und in der Totetruhe hamma des Rossgschirr verstohlenerweis dort noi, und so hamma es nausgschwätzt noch Obánya. In der Totetruhe! Und dann san mia zurückkumme wieder, und der Mann, der war sehr anständig, der hat uns des ausbezahlt, und so han mia den Winter iberlebt", erzählt Maria Frank, die später in der landwirtschaftlichen Genossenschaft für kargen Lohn arbeiten musste und dann in einer Tischlerei "schaffte".

An ihre "schöne Kindeszeit" in einem Dorf, in dem der Zusammenhalt sehr groß gewesen sei, denkt Maria Frank wehmütig zurück. Der Umstand, dass der Großvater in der Nazizeit Ortsgruppenführer war, habe der ganzen Familie lange zum Nachteil gereicht, die Familie habe "viel Anstoß" erlebt. Ungarisch habe sie erst gelernt, als sie fast 14 Jahre alt war.

Am Sonntag ist die Nadascher Kirche gut gefüllt, Ungarn und Ungarndeutsche sitzen in den Bänken nebeneinander. Der Gottesdienst ist vorwiegend in ungarischer Sprache, das Evangelium wird zweisprachig gelesen, das letzte Lied in deutscher Sprache gesungen. An einem Sonntag im Monat wird der gesamte Gottesdienst in deutscher Sprache abgehalten.

Vor etwa 35 Jahren sei in der Schwäbischen Türkei von einer deutschen Fernsehanstalt eine Reportage gedreht worden, erzählt Adam Arnold. "Die Donauschwaben sterben langsam, aber sicher aus", habe das Motto des Films gelautet. Darüber kann ich nur fröhlich schmunzeln, als ich der Schwäbischen Türkei, die mir viele Geschichten über die hier noch immer fest verankerten Ungarndeutschen verraten hat, den Rücken kehre.