Das 25 km mal 46 km große Eiland wurde am Sonntag, dem 3. November 1493 von Kolumbus gesichtet, aber nicht betreten. Er gab ihm den Namen "Dominica". Besiedelt war die Insel damals schon von den Kariben - den sogenannten Kalinago -, die die seit fast tausend Jahren dort lebenden Arawak verdrängten und ihre Heimat "Waitukubuli" ("Groß ist ihr Körper" - bezogen auf die Topografie der Insel) tauften. Sie leben heute noch in ihrem selbstverwalteten Territorium an der wilden Ostküste. Auf allen anderen Karibikinseln wurden die Kariben von den Kolonialisten vollständig ausgerottet.

Dominica ist aber nicht nur in dieser Hinsicht eine Ausnahmeerscheinung in der Region. Die vom Regenwald dicht bewachsenen Hänge mit bis zu 1500 Meter aufragenden Vulkanbergen, die permanent im Nebel liegen, machten große Plantagen unmöglich. Auch die wehrhaften Kalinago hinderten die Europäer daran, die Insel einzunehmen. 1686 wurde sogar ein Neutralitätsvertrag zwischen den Kalinago und den Franzosen geschlossen, der die Verwaltung durch Kalinago festlegte. Mit dem wachsenden Einfluss der Franzosen auf den beiden Nachbarinseln Martinique und Guadeloupe kamen allerdings immer mehr Siedler aus Europa auf die Insel.

Prinzip Andersartigkeit

Knapp 100 Jahre später fiel das Eiland an die Briten, die ebenfalls auf gehörigen Widerstand stießen. Dominica wurde 1838 die erste und einzige britische Karibikinsel, deren Legislative von Nicht-Weißen kontrolliert wurde. 485 Jahre nach der Sichtung durch Kolumbus wurde die neue Nation am 3. November 1978 unabhängig.

Unterwegs auf dem Indian River - © Weitlaner
Unterwegs auf dem Indian River - © Weitlaner

Obwohl Dominica die größte englischsprachige Insel der Kleinen Antillen ist, ist sie jene mit der geringsten Bevölkerungsdichte. "Die reichhaltige Natur ist bisher weder durch Industrie noch von Tourismus oder Landwirtschaft zerstört worden - und da-rauf ist man hier sehr stolz", betont Tourismusdirektor Colin Piper. "Die kraftvolle Natur war den Menschen immer gleichzeitig Schutz und Einschränkung", meint Honychurch. Dadurch wurde sie vor der Ausbeutung habgieriger europäischer Abenteurer und Siedler bewahrt, die mit dem abschüssigen Gelände nicht viel anzufangen wussten. Limetten und Bananen wurden wohl angepflanzt, konnten jedoch mit den weiten Anbauflächen in Mittelamerika nicht mithalten.

Dominicas fruchtbare Böden liefern für die lokale Bevölkerung zahlreiche Obst- und Gemüsesorten, taugten jedoch nicht wirklich als Wirtschaftszweig. So entschied man sich zum Ausbau des Tourismus. "Was Dominica ganz wesentlich von anderen Karibikinseln unterscheidet, ist das Fehlen von riesigen All-inclusive-Hotelburgen mit Casinos sowie langen weißen Sandstränden", so Piper. Ende Oktober 2019 eröffnet mit dem Kempinski Dominicas größtes Hotel. Aber auch das wird nichts daran ändern, dass die Sensation des Landes in seiner Andersartigkeit liegt - etwa im Boiling Lake: einem von weltweit nur zwei existierenden kochenden Seen. Er liegt inmitten des Dschungels und ist nur nach einem anstrengenden, achtstündigen Fußmarsch erreichbar.

Baden im Fluss . . . - © Weitlaner
Baden im Fluss . . . - © Weitlaner

Weitere Sehenswürdigkeiten sind gewaltige Wasserfälle sowie natürliche "Pools" in Flüssen. Manche davon sind von den unterirdischen Vulkanen so aufgeheizt, dass man mitten im Regenwald, umgeben von knallbunten tropischen Blumen und riesigen Farnen, ein warmes Bad nehmen kann. Kein Wunder also, dass die UNESCO einen großen Teil der Insel zum Weltnaturerbe erklärt hat. Mittlerweile wurde auch der fast 190 km lange Waitukubuli-Wanderweg, der quer über die Insel verläuft, wiedereröffnet.