Noch einmal kontrollieren wir an der Wasseroberfläche treibend unsere umfangreiche Tauchausrüstung. Die Ventile unserer Doppelstahlflaschen, die mit einem Helium-Sauerstoff-Stickstoff-Gemisch gefüllt sind, müssen erreicht werden, um bei Problemen mit der Luftversorgung richtig reagieren zu können. Der um den Hals liegende, zwei Meter lange Schlauch des Atemreglers, der im Notfall an den Tauchpartner abgegeben wird, muss frei liegen.

An unserer linken Seite platzieren wir weitere Aluminiumflaschen, eine davon mit reinem Sauerstoff, die wir für die spätere Dekompression während des langwierigen Aufstiegs an die Oberfläche benötigen werden. Wir signalisieren uns gegenseitig, dass wir für den Abstieg bereit sind. Mit einem lauten Zischen entweicht die Luft aus unseren Auftriebskörpern und langsam sinken wir in das tiefe dunkelblaue Meer hinab.

Das Ziel unseres Tauchgangs ist eine 23 Meter lange und 32 Meter breite Boeing B-17 G, ein schwerer Bomber aus dem Zweiten Weltkrieg, der vor 75 Jahren vor der Küste der heutigen kroatischen Insel Vis im Meer versunken ist. Aufgrund der großen Tiefe von über 70 Metern und der damit verbundenen logistischen Planung eines Tauchgangs ist die Erkundung des Flugzeugwracks nur entsprechend ausgebildeten Tauchern vorbehalten. In 50 Metern Tiefe können die ersten Umrisse des Flugzeugkolosses im glasklaren Wasser ausgemacht werden.

Gesamtansicht des Kampfflugzeuges von vorne. - © Franz Mittermayer
Gesamtansicht des Kampfflugzeuges von vorne. - © Franz Mittermayer

Schnell wird klar, warum die B-17 aufgrund ihrer Größe im Krieg auch als Flying Fortress, als fliegende Festung, bezeichnet wurde. Das Wrack ist eines der letzten erhaltenen Exemplare dieses Bombertyps und unter Wasser in diesem Erhaltungszustand sogar einzigartig. Doch wie kam dieser Gigant vor einer entlegenen Insel mitten in der Adria auf den Grund des Meeres?

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Im Jahr 1944 herrscht über Österreich und Süddeutschland ein unerbittlicher Luftkrieg, zahlreiche Städte werden von britischen und amerikanischen Luftstreitkräften bombardiert, um das nationalsozialistische Reich in die Knie zu zwingen. Leidtragender ist vor allem die Zivilbevölkerung. Alleine in Wien sterben knapp 9000 Menschen durch Luftangriffe.

Aber auch die alliierten Flugzeugbesatzungen müssen aufgrund der immensen Luftabwehreinrichtungen ständig um ihr Leben fürchten. Viele Angriffe werden von der italienischen Luftwaffenbasis Amendola aus geflogen. Dort beginnt auch die kurze Geschichte der B-17 mit der Seriennummer 44-6630. Neu gebaut kommt das Flugzeug am 3. November 1944 auf der Basis an und wird bereits am 6. November auf den ersten Kampfeinsatz mit Angriffsziel Wien geschickt.