Es wäre zu schön. Denn so beginnen nur Romane - mit einem überraschenden Fund. Ein vergessener Van Gogh auf einem Dachboden etwa, ein Schiffsmodell, in dem eine Schatzkarte versteckt ist, im Gewühl eines Flohmarktes. Oder jene Lanze, die James Cook, dem großen Seefahrer, im Jahr 1779 auf Hawaii das Leben nahm.

Unauffällig liegt der Speer neben einem Fernrohr, drei Flaschenschiffen, einer Holzmaske unbekannter Herkunft, Taschenuhren, Pfeifen, Muscheln, einem Kompass aus glänzendem Messing und anderen Schätzen, die sich für die Auslage eines Altwarenhändlers in einer kleinen, englischen Hafenstadt ziemen. Möwengeschrei schwebt über der Gasse, an ihrem Ende ahnt man das Meer, und es nieselt leicht. Das tut es in Whitby an durchschnittlich vier von sieben Wochentagen.

Ob dieses Lanzenblatt wirklich mit dem Blut des Weltumseglers und Entdeckers Captain James Cook benetzt war, darf man mit Recht bezweifeln; unzweifelhaft ist aber, dass Cook als junger Mann nach Whitby kam, um die christliche Seefahrt zu erlernen. Er war keineswegs der Einzige: 5000 Einwohner hatte das Städtchen an der englischen Nordseeküste damals, mehr als ein Fünftel davon waren angehende Matrosen. Cook trat in die Dienste eines gewissen Captain John Walker, segelte neun Jahre vorwiegend zwischen den Häfen der Britischen Inseln, trat schließlich in den Dienst der Royal Navy und bewährte sich im Siebenjährigen Krieg in den Gewässern vor Kanada nicht nur als Marineoffizier, sondern auch als Kartograph - was ihn schließlich dafür qualifizierte, 1768 eine Expedition der Royal Society in die Südsee zu kommandieren.

Museum für Captain Cook

Nach zwei weiteren Reisen war der Erdball umrundet, der Pazifik von Nord bis Süd durchkreuzt, Australien besucht und Neuseeland wiederentdeckt, und als Cook bei einem Konflikt mit den Einwohnern von Hawaii sein Leben lassen musste, war er bereits eine internationale Berühmtheit.

James Cook auf einem Gemälde von William Hodges (1775/76). - © National Maritime Museum, London
James Cook auf einem Gemälde von William Hodges (1775/76). - © National Maritime Museum, London

"Die größte Lobrede auf Cook ist die Seekarte des Pazifiks", meinte der neuseeländische Historiker John Beaglehole. Das meint man auch im Captain Cook Memorial Museum, das die Seereisen des berühmten, nun ja, nicht gerade Sohns der Stadt - geboren wurde Cook in einem Weiler in Yorkshire - dokumentiert.

Fragwürdige Lanzen werden dort natürlich nicht gezeigt, und die wichtigsten Stücke aus der Sammlung des Entdeckers werden in Australien und im Weltmuseum Wien verwahrt. Doch hier in dem Haus, in dem der junge Cook während seiner Lehrzeit wohnte, beschwören zahlreiche Memorabilien, Dokumente und das Ambiente aus der Mitte des 18. Jahrhunderts das Flair vergangener Tage. Die reichen in Whitby aber noch viel weiter zurück, bis in die Tage der Angelsachsen.