Des Grafen Spuren

Doch warum ausgerechnet Whitby? Die Motive Draculas für diesen Zielhafen sind unbekannt, sicher ist aber, dass Bram Stoker - Schriftsteller, erfolgreicher Theatermanager im Londoner West End und eben Autor von "Dracula" - hier eine Urlaubswoche verbrachte und die Szenerie gut kannte. Tatsächlich sind die Gassen, Wege, der Hafen und der Friedhof im Roman klar wiederzuerkennen, und wenn eine stille Besucherin sich an die Mauer von Saint Mary’s lehnt, ihr Buch sinken lässt und über die Grabsteine, das Meer und die Stadt blickt, sieht sie heute im Wesentlichen noch das Gleiche wie Stoker und seine Heldinnen in den 1890er Jahren.

Und da sich hier die Szenen des ungebrochen populären Romans, der das gruselige Genre wie kaum ein zweiter prägte, so klar über einen realen Ort legen lassen, wandeln Besucher auch gerne auf Draculas Spuren durch Whitby (weit weniger hingegen auf denen James Cooks, und kaum einer ehrt den frommen Dichter Caedmon). Das "Bram Stoker International Film Festival" liegt schon ein paar Jahre zurück, doch auch bei anderen düsteren Gelegenheiten, wie dem "Tomorrow’s Ghosts Festival" Anfang November, füllen sich die Gassen schwarz mit Freunden der Gothic Culture. Der transsylvanische Graf würde da gar nicht auffallen. Vielleicht würde er sich für eine Lanze interessieren, auf der möglicherweise noch ein paar Tropfen Blut eines berühmten Mannes kleben.

Denn es gibt sie tatsächlich, die Lanze, die Captain Cook durchbohrte. Einer seiner Offiziere, der für ihre Echtheit bürgte, nahm sie mit nach England, später wurde sie zu einem Gehstock verarbeitet und 2003 in Edinburgh um 135.000 Pfund versteigert. Seitdem ist sie verschwunden. Der Käufer ist unbekannt.