Theresa besitzt acht Einkaufstaschen. Manchmal stehen alle auf dem Küchentisch und gleichen einander wie ein Ei dem anderen. Wenn sie in die Stadt einkaufen fährt, nimmt sie meist vier oder fünf davon mit und stellt sie auf den Rücksitz ihres Autos. Da stehen sie wie eineiige Vierlinge oder Fünflinge. In einer der Taschen befinden sich ihre Autopapiere und ihre Geldbörse. An der Kassa im Supermarkt kramt sie in den Taschen, um nach dem Geld zu suchen. Zuerst in der ersten, dann in der zweiten, der dritten, der vierten und schließlich in der fünften. Meist ist das Geld in der letzten Tasche. So will es das Gesetz des Suchens.

Theresa hat zehn Geschirrbürsten aus Plastik, neun sind grün, eine bildet eine Ausnahme: Sie ist rot. Die Bürsten stehen in einem leeren Gurkenglas neben dem Herd und wirken wie ein Strauß bizarrer Blumen. Jeden Tag verwendet sie eine andere Bürste, sagt Theresa, so kommt jede in einem Monat dreimal zum Einsatz. Das ist eine ihrer Theorien, doch da sie einander gleichen, weiß niemand, nicht einmal Theresa, wie oft die Bürsten tatsächlich in Verwendung sind.

Theresa besitzt auch eine große Anzahl von Messern, von denen sie etliche geerbt hat. Neben einem Brotmesser, einem Fleischmesser und einem Fischmesser hat sie in ihrer Küchenlade noch ein Hackmesser, einen Käsehobel, ein Wiegemesser und ein verziertes Obstmesser. Besonders stolz ist sie auf ihr Jagdmesser und das Tranchiermesser, mit dem sie Wild und Geflügel zerteilen kann.

Ein kleines Reich

Theresa hat auch viele Stoffe. Textilien, wie sie zu sagen pflegt. Zu ihrer Sammlung gehören Tücher und Stofffetzen, Stoffballen und Stoffreste. Viele Kästen sind mit Textilien gefüllt. Theresas Sammlung besteht aus unterschiedlichen Materialien: Wollstoffe, Jersey, Filzstoffe für Pantoffeln, Waschsamt, grobes und feines Leinen, Florentinertüll, Plüsch, Frottee für Handtücher, Gaze, Natur- und Wildseide und vor allem Baumwolle. Für vieles wird sie
irgendwann Verwendung finden, sagt sie, für Bettwäsche, Nachthemden oder Kleider. Die Stoffe sind in allen Farben und Qualitäten vorhanden und Teil von Theresas kleinem Reich, in das sie sich flüchtet, in dem sie ihre Phantasien verwirklicht.

Theresa besitzt beinahe alle Ausgaben der Gemeindezeitung und der Bezirkszeitung der letzten dreißig Jahre, die ihr mit der Post zugestellt wurden. Sie hat sie nach Monaten zu Paketen geordnet, diese mit einer Schnur zusammengebunden und in Regalen verstaut. Die älteren Exemplare stapeln sich in alten Kästen auf dem Dachboden und verändern mit dem Alter die Farbe. Unglücklich ist Theresa darüber, dass sie einige Einzelstücke vermisst. Sie weiß nicht, wo die während der Archivierung verlorengegangen sind.