Gerade in die aktuelle Situation, in der auch Gotteshäuser geschlossen bleiben und Heilige Messen via Internet-Livestreams stattfinden, passt eine Meldung, die kurz vor dem Ausbruch der Corona-Krise aus dem Vatikan um die Welt gegangen ist. Sie betrifft einen Jugendlichen, der am 12. Oktober 2006 in Italien an Leukämie gestorben ist: Der 1991 in London geborene und in Mailand aufgewachsene Carlo Acutis, der nur 15 Jahre alt wurde, soll noch heuer seliggesprochen werden.

Und die Chancen stehen gut, dass mit ihm das Internet einen eigenen Schutzpatron bekommt. Diese Idee entstand beim Weltjugendtag 2013 in Rio, wo seine Lebensgeschichte präsentiert wurde. Warum? Weil Carlo nicht nur ein tiefgläubiger Jugendlicher war, sondern auch das, was man landläufig als Nerd bezeichnet.

Denn sein Leben, so schreiben "Biografen" in diversen Internet-Artikeln über den Teenager, war von zwei Dingen geprägt: von der Liebe zu Gott und von der Leidenschaft für Informatik.

Nach der Erstkommunion war für ihn klar, dass die Eucharistie seine "Autobahn zum Himmel" sei. Er soll jeden Tag in die Kirche gegangen sein und den Rosenkranz gebetet haben, mit der Jungfrau Maria als engster Vertrauter. In seiner Heimatpfarre trat er auch durch sein intensives Engagement für Obdachlose in Erscheinung.

Ein wichtiges Anliegen war ihm aber auch die Evangelisierung, die er mit missionarischem Eifer betrieben haben soll, und zwar auch und vor allem digital. Als Zehnjähriger schrieb er Algorithmen und gestaltete Websites und Layouts für Online-Zeitungen, als Elfjähriger trug er Detail um Detail für ein Online-Verzeichnis zusammen, das eucharistische Wunder weltweit umfasst. Daraus entstand später auch eine Ausstellung mit 146 Schautafeln, die nach Carlos Tod in zahlreiche Sprachen übersetzt und nicht nur in vielen Ländern gezeigt, sondern auch als Buch veröffentlicht wurde.

Durch sein Krebsleiden ließ sich der Jugendliche zunächst nicht aufhalten, vielmehr dürfte es ihn sogar bestärkt haben, sich in den Dienst Jesu zu stellen, dem er ähnlich werden wollte, wie er einmal selbst sagte. Und er widmete seine letzten Lebensjahre explizit dem Papst und der Kirche. Papst Franziskus hat sich schon vor Jahren vom Lebenswerk des religiösen Technikgenies beeindruckt gezeigt: Carlo habe, auch um die Gefahren des Internets wissend, dieses geschickt eingesetzt, "um Werte und Schönheit zu vermitteln".

Nun, fast 14 Jahre nach Carlos Tod, hat Franziskus vor kurzem endgültig den Weg freigemacht für die Seligsprechung des "Cyber-Apostels der Eucharistie", wie ihn die Catholic News Agency jüngst genannt hat. Er hat nämlich ein Wunder des zu Lebzeiten tiefgläubigen Teenagers anerkannt: Er soll an der wundersamen Heilung eines brasilianischen Kindes beteiligt gewesen sein.

Besonders groß ist die Freude darüber in Assisi, wo Carlo auf eigenen Wunsch begraben wurde. Und natürlich bei seinen Eltern, in deren Trauer über den Verlust ihres Kindes sich großer Stolz mischt: Seine ungeheure Glaubenskraft, die er über das Internet zu teilen versuchte, habe Menschen in aller Welt inspiriert, sagte seine Mutter Antonia Salzano jüngst in einem Interview: "Er hat vielen Seelen geholfen, sich Gott zu nähern."

Als ihr Sohn starb, habe sie davon geträumt, dass er eines Tages einen besonderen Platz in der Glaubenswelt der katholischen Kirche einnehmen werde. Ein Traum, der sich noch heuer erfüllen soll.