Marlene Dietrich war von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt. Regina Halmich meinte, dass die Faust aufs Auge passt, schließlich sei das "ein guter Schlag!" Und bei Sängerinnen wie Patti Smith, Helene Fischer oder Christiane Karg sind die meisten ganz Ohr.

Mit dem Körper begleitet einen - immer zur Hand - ein riesiges Reservoir an sprichwörtlichen Redensarten. AlleNaslang und im Handumdrehen hat man sie parat. Man muss direkt aufpassen, das Maul nicht zu voll zu nehmen. Wie viele es insgesamt sind, weiß niemand.

Das fünfbändige "Deutsche Sprichwörter-Lexikon" von Karl Friedrich Wilhelm Wander verzeichnete schon im Jahr 1880 allein 322 Redewendungen und Sprichwörter für "Arm", 177 für "Bein", 1017 für "Hand", 628 für "Herz", 751 für "Auge", 338 für "Mund", 427 für "Nase" und 889 für "Kopf" - das sind schon über 4000. Viele davon zernagte der Zahn der Zeit, wie etwa den Ausdruck "den Kopf hängen wie die jungen Puter bei Regenwetter" für Niedergeschlagenheit. Dafür sind inzwischen zahlreiche Wendungen hinzugekommen wie "Daumen rauf und Daumen runter".

Diese beiden finden sich gesprochen und als Symbole täglich milliardenfach in Unterhaltungen und auf Displays aller Art, freilich weiß kaum jemand, dass beide mit dem altbekannten Daumendrücken und den Römern zu tun haben.

Das Daumenhalten oder -drücken ist uralt. Alle Finger galten der Antike als fluchmächtig, der Daumen aber als der mächtigste. Wer ihn jemandem gedrückt entgegenhielt, zeigte damit, dass er ihm gegenüber die dämonische Macht des Daumens bannen und ihn damit vor üblen Einflüssen bewahren wollte. Man zeigte damit also indirekt sein Wohlwollen, was dann alleiniger Sinn der Geste wurde.

Ein Brett vor dem Kopfe haben . . . - © Essig
Ein Brett vor dem Kopfe haben . . . - © Essig

Durch historische Romane und "Sandalenfilme" verbreiteten sich außerdem die angeblich römischen Gnaden- und Todesgesten bei Gladiatorenkämpfen: Daumen nach unten gehalten bedeutete "Das Schwert!" und also "Tod!", den Daumen eingeschlagen drücken bedeutete dagegen "Gnade!". Nicht wenige Fachleute bezweifeln das. Zwar ist die Glücksgeste mit dem gedrückten Daumen vielfach überliefert, doch ob der aus der Faust gestreckte Daumen wirklich in der Arena nach unten - als Zeichen für "Das Schwert!" - gehalten wurde oder nach oben - als Zeichen dafür, dass der Gladiator sterben und die Erde hinter sich lassen sollte -, ist unklar.

Ganz unbekümmert von Fachdiskussionen zeigte sich die sehr beliebte Historienmalerei des 19. Jahrhunderts. So nannte Jean-Léon Gérôme sein sehr populäres Gladiatorenbild ganz direkt "Pollice verso", also "Daumen nach unten" für "Tod!". Die schöne Geste nahmen bald Historienfilme mit Gladiatorenkämpfen auf. Diese erfanden dann auch die gegensätzliche Geste: den emporgehaltenen Daumen, weil der auf den ersten Blick als klarer Kontrast erkennbar war; ganz im Gegensatz zum gedrückten Daumen.

Andere Körperredensarten erklären sich schlicht von selbst. Es liegt auf der Hand, warum man sagt, jemandem Knüppel zwischen die Beine werfen, sich die Augen reiben, ein Herz und eine Seele sein oder sich auf seinen vier Buchstaben setzen. Manche kommen auch auf ein Wort mit fünf Buchstaben für den Hintern. Dort kommt man übrigens auch hin, wenn man einem den Buckel runterrutscht. Freilich klingt es netter, als zu sagen: "Du kannst mich mal am . . ."

Ob derb, ob fein gesprochen, ob man streiten will oder flirten, der Körper bietet für alles die richtigen Ausdrücke. Man sollte sie nur nicht übers Knie brechen. Bei Zweigen fürs Anschüren ist das die richtige, rasche und angemessen ungenaue Art des Kleinholzmachens, beim Sprechen dagegen zählen Genauigkeit und Überlegung. In vielen Sprachen gibt es Sprichwörter, die vor unbedachtem Sprechen warnen: "Es ist die Zunge, die einem den Hals durchschneidet." Oder: "Die rote Zunge gibt den grünen Kopf dem Wind preis." So sagt man im Iran.

Also ruhig mal die Klappe halten. Glauben Sie Fremdenführern und selbst ernannten Experten nicht, die behaupten, das komme von den Klappsitzen in Kirchen. Humbug! Die Redensart vergleicht einfach frech das Sprechwerkzeug mit einer Klappe, die ähnlich auf- und zugeht, dabei aber bloß sinnlose Geräusche erzeugt.

Man muss kein eingefleischter - was direkt aus dem Glaubensbekenntnis kommt - Sprachliebhaber sein, um sich mit Schmetterlingen im Bauch, Läusen, die über die Leber laufen, oder der Meise unterm Pony zu beschäftigen. Ganz fix ist Hans und Franz ein Floh ins Ohr gesetzt, und die Augen gehen einem über bei all der Fülle; und das ist allemal besser, als wenn einem der Arsch auf Grundeis geht!

- © Clara MarieThoÌne
© Clara MarieThoÌne