Gelegentlich werde ich gefragt, was ich zurzeit gerne mache, und dann erzähle ich begeistert von Geocaching und sehe meist staunende Gesichter.

"Was machst du?", höre ich dann, "Geo - wie?"

Um das Thema zu vereinfachen, sage ich meistens, was auch der Wahrheit entspricht: "Ich suche Schätze, die auf dieser weiten Welt versteckt sind. Schätze, die ich mit Hilfe von einem Gerät, das Koordinaten anzeigt, finden kann."

Wenn ich dann noch das Wort Schnitzeljagd verwende (ein Wort, das mir nicht so gut gefällt), fällt bei einigen der berühmte Groschen.

"Ah Schnitzeljagd!"

Na ja, eher so eine GPS-Schnitzeljagd.

Die moderne Form des Geo-
caching
steht in Verbindung mit der ersten Verwendung des GPS-Signals in den Neunzigerjahren des letzten Jahrhunderts, ebenso, dass es ab diesem Zeitpunkt auch von nichtmilitärischen Nutzern verwendet werden konnte. Zu jener Zeit war es möglich, Koordinaten mit Hilfe eines GPS-Empfängers auf etwa zehn Meter Genauigkeit zu orten.

Der Amerikaner Dave Ulmer wollte das auf seine Art und Weise feiern und erfand das Spiel in Form einer Newsgroup, bei dem er Regeln dafür entwickelte, dass Teilnehmer kleine Behälter verstecken sollten, die andere Teilnehmer finden mussten. Eine wichtige Regel in diesem Spiel war der Grundsatz "Get some stuff. Leave some stuff" (Bekomme etwas und hinterlasse etwas). Wichtig war auch, dass die Finder den Tausch von Gegenständen in einem Logbuch dokumentierten.

Am 3. Mai 2000 versteckte Dave Ulmer in der Nähe der Stadt Portland im US-Bundesstaat Oregon an der Position 45° 17’ 27,6‘ N, 122° 24’ 48‘ W einen schwarzen Plastikkübel, in dem er allerlei Gegenstände hinterlegte, unter anderem eine Videokassette, ein Buch, eine Dollarnote, eine Steinschleuder und eine Konservendose mit Bohnen. Nachdem die Koordinaten in der Newsgroup veröffentlicht waren, wurde das "geheime Lager" von Mike Teague schnell gefunden, der daraufhin eine private Website erstellte und von nun an die Orte und deren Finder dokumentierte.

Für enthusiastische Geocacher sei angemerkt, dass an der Stelle des ersten Geocache eine Gedenktafel platziert wurde. Kurz darauf wurde der Begriff "Geocaching" zum ersten Mal in einer Newsgroup vorgeschlagen und im September 2000 die Adresse www.geocaching.com gestartet, eine Seite, die auch heute noch in Verwendung ist und sich zu einem Imperium entwickelt hat.

Es kann ein Vogelhäuschen sein oder auch die Landschaft, die Ziel der Suche sind . . .
Es kann ein Vogelhäuschen sein oder auch die Landschaft, die Ziel der Suche sind . . .

Das Spiel war geboren.

Heute existieren weltweit mehr als drei Millionen Geocaches in fast allen Staaten der Erde - mit einer Ausnahme: Der einzig aktive außerhalb unserer Erde befindet sich auf der internationalen Raumstation (ISS). Ich denke, dass er nicht von vielen gefunden wurde . . . Sollte sich in Zeiten wie diesen (wo der Radius für Reisen eingeschränkt ist) jemand für dieses Spiel interessieren, dann sei ihm/ihr versichert, dass die Anzahl der Schätze in Österreich groß genug ist. Es sind rund 50.000, die es zu finden gibt.

Nachdem ich von diesem Spiel erfahren hatte und mir die App auf mein Mobiltelefon heruntergeladen hatte, schaute ich als Erstes, wie weit der nächste Schatz von meiner Wohnung in Wien entfernt war. Ich war sehr aufgeregt, vielleicht ähnlich wie Mike Teague oder Kinder, und konnte es kaum erwarten, ihn zu finden.

In der App gab es unterschiedliche Hinweise, um den Schatz leichter zu finden. Neben den genauen Koordinaten des Cache wurde noch erwähnt, wann er das letzte Mal gefunden wurde; dazu gab es viele Kommentare im Logbuch, weiters wie groß der Cache ist, sein Schwierigkeitsgrad, und gelegentlich findet sich auch ein Foto, ein sogenanntes Spoiler-Bild, das die Sache sehr vereinfachte. Ich wusste, bevor ich mich auf die Suche machte, dass der Cache ein sogenannter Nano-Cache war, also winzig, dass er als Magnet auf einem Metall angebracht war und etwas mit Hans Moser zu tun hat, der in einem Lied darüber sang, so, als würde er dem Suchenden damit einen Tipp geben.

Die Nichteingeweihten

Als ich in der Nähe des Verstecks angekommen war, also an der angezeigten Koordinatenposition, und mich umschaute, hatte ich keine Idee, wo ich zu suchen beginnen sollte. Außerdem war es ein Ort, an dem viele andere Menschen zu sehen waren. Eine Grundregel des Spieles ist auch, dass man aufpassen soll, dass Passanten, die nicht in dieses Spiel eingeweiht sind, nicht merken sollen, was man gerade tut.

Für die Nichteingeweihten hat die Spielleitung auch einen Ausdruck geschaffen: Das sind sogenannte Muggels, ein Begriff, der aus den Harry-Potter-Geschichten kommt, in denen Menschen, die in die Zauberei nicht eingeweiht sind, so genannt werden. Das erschwert die Lage.

Ich erinnere mich an eine Situation in Kroatien, an einen kleinen Kiosk, bei dem ich verzweifelt nach dem Cache suchte, umgeben von vielen Nichteingeweihten, und dass ein Mann, ausgerüstet mit einer Taschenlampe, der sichtlich die Beherrschung verloren hatte, auf dem Boden im Staub robbte. Da er wie ich den Schatz nicht finden konnte, suchte er immer emsiger.

Als ich ihn im Staub knien sah, sagte ich nur ein Wort: "Cache"! Er schaute mich verzweifelt an und sagte: "Ja! Wo ist er nur?"

Ich flüsterte, dass ich auch schon mehr als dreißig Minuten gesucht habe, worauf wir die Suche unterbrachen, uns in den Schatten setzten, um einen kühlen Kopf zu bekommen.

Als wir den Hinweis des Besitzers noch einmal auf unseren Mobiltelefonen durchlasen, mussten wir feststellen, dass der Schatz nicht auf dem Boden zu finden war. Mein Kollege schmunzelte und sagte lakonisch: "Es wäre sicher gescheiter, wenn wir bei jedem Ort die Kommentare der anderen Finder durchlesen und uns besser vorbereiten würden!"

Worauf wir in Augenhöhe zu suchen begannen - und siehe da: Der Schatz war in einer Ritze hinter einem Holzstück versteckt, auf eine gewisse Art und Weise nahezu unsichtbar!

Wenn ich noch einmal zu meinem ersten Versuch zurückkehre, muss ich gestehen, dass ich den Schatz erst fand, als ich das vierte Mal nach ihm gesucht habe. Heute ist er nicht mehr an diesem damaligen Ort, er wurde an eine andere Stelle verlegt, da durch den U-Bahn-Bau keine Möglichkeit mehr besteht, den Schatz verkehrssicher zu entdecken.

Erst die Hilfe eines anderen Geocachers ermöglichte es mir, meinen ersten Schatz zu finden. Er schrieb mir in einer Nachricht: "Fahre mit dem Finger auf der Unterseite des Wasserhydranten entlang, dann wirst du eine kleine Narbe finden, und das ist, was du gesucht hast." Es war ein fingernagelgroßer Metallbehälter, der an der Unterseite des Hydranten mit einem Magnet haftete. Darin war das kleinste Logbuch, das ich bis heute gesehen habe. Und es war noch Platz, dass ich mich darin eintragen konnte, natürlich mit einem eigens für dieses Spiel entwickelten Namen: Willz123hase.

Mittlerweile habe ich mehr als 220 Schätze gefunden, und es waren viele faszinierende Orte, aufregende Konstruktionen und raffinierte Verstecke dabei.

Ich erinnere mich an einen Schatz im Wald. Als ich einen Vogelkäfig öffnete, tönte daraus leise Musik, es roch nach Weihrauch, während mich Plastikenten anstarrten. Das sind Momente des Glücks.

Discokugel und Plastikenten als Überraschungsfund . . .
Discokugel und Plastikenten als Überraschungsfund . . .

Oder ein anderer Cache, der mehr als fünfhundert Meter hoch gelegen war. Ich musste auf einen steilen Pfad durch einen dichten Wald und plötzlich - ganz oben - zeigte sich ein wunderschönes Panorama.

Barfuß im Wald

Oder ein anderer Cache, bei dem der Hinweis des Owners folgendermaßen lautete: "Du kannst den Cache nur erreichen, wenn du barfuß durch den Wald schreitest." So wankte ich langsam auf Moos, Steinen und durch Wasserpfützen und spürte, wie es an den Fußsohlen kribbelte. Dass dann der Cache als gut verschlossener Petling sichtbar an einem Baum baumelte, machte darauf aufmerksam, dass nicht das Suchen das Ziel war, sondern die Fußreflexzonenmassage auf dem Weg dorthin.

Viele Menschen, die ihre Schätze verstecken, lassen sich etwas Besonderes einfallen, bauen kleine Objekte aus Holz oder Stein, die einen ins Staunen versetzen, verstecken den Cache in Muscheln, Kanistern, Dosen, hoch oben in Bäumen oder auf schwer erreichbaren Inseln. Eine weitere Regel besagt, dass der Schatz nicht vergraben sein, auf keinem privaten Grund versteckt werden oder irgendetwas zerstören darf.

Allmählich reizte es mich, einen eigenen Schatz zu veröffentlichen, selbst Owner eines Geocaches zu werden, und zwar in der Wiener Freudenau, meiner Lieblingslandschaft. Eine Landschaft, in der es kaum möglich ist, geradlinig durchzukommen, Lianen, geknickte Äste oder umgefallene Bäume versperren den Weg und machen das Gehen zu einem Hindernislauf.

Auch in Muscheln lässt sich mitunter ein Cache finden, wie Willy Puchner aus Erfahrung weiß.
Auch in Muscheln lässt sich mitunter ein Cache finden, wie Willy Puchner aus Erfahrung weiß.

Um seinen eigenen Schatz zu installieren, muss man einige Dinge beachten. Das Allerwichtigste ist der Abstand zum nächsten Cache, denn der muss 161 Meter betragen. In einer großen Dose bereitete ich ein schönes Logbuch vor, legte kleine Bleistifte hinein und als Belohnung für jene, die den Cache finden, selbst gemalte Briefmarken.

Abstandsprobleme

Nachdem ich einen geeigneten Platz inmitten des Freudenauer "Dschungels" gefunden hatte, füllte ich eine Art Formular aus und übermittelte es an den Administrator des Spiels. Nach wenigen Tagen bekam ich die Antwort: "Tut mir leid. Abstandsprobleme. Dein Cache liegt nicht weit genug vom nächsten Cache entfernt."

Da mein Ehrgeiz groß war und ich unbedingt in dieser wuchernden Landschaft etwas verstecken wollte, nahm ich mit dem Administrator Kontakt auf und bat ihn, mir zu helfen. Er schrieb, dass ich versuchen solle, den Cache 80 Meter nördlich und gleichzeitig 20 Meter westlich zu verstecken. Nachdem ich es ein weiteres Mal versucht hatte, kam wieder die Antwort, dass es leider Abstandsprobleme gibt; und noch einmal bat ich ihn, mir zu helfen. So schickte er mich dann 40 Meter in die eine Richtung und 10 Meter in die andere, und nach einer weiteren Annäherung gelang es mir, einen Platz zu finden. Was für ein Glück. Endlich hatte ich in diesem Spiel mein Zuhause gefunden:

N 48° 11.486’ E 016° 27.001’.

Es ist ein Ort, an dem kaum Muggels zu sehen sind, eher wimmelt es im Sommer von Insekten, Schnecken und Käfern.

Ich musste an den Amerikaner Mike Teague denken, der den allerersten Cache gefunden hatte. Wer wird der Erste sein, der meinen Schatz findet? Der Erste, der Zweite und der Dritte? Im Ranking der digitalen Geocaching-Welt wird der erste Finder mit der Abkürzung FTF (first to find) ausgezeichnet. Gewonnen hat diesen Wettlauf "Schlumpf.67", ein Abenteurer dieses Spiels, der schon 18.256 Schätze gefunden hatte.

Er schrieb ins digitale Logbuch: "Gerade war ich mit dem Mittagessen fertig, als ich die Benachrichtigung von diesem neuen Döslein bekommen habe. Also habe ich einen kleinen Verdauungsspaziergang in der Freudenau unternommen und konnte die Dose schon nach kurzer Suche finden und mich in das noch jungfräuliche Logbuch eintragen."

Weitergehen als Ziel

Schön war für mich nun, dass sich alle zwei bis drei Tage Suchende in mein analoges und digitales Logbuch eintrugen und dass ich mittels E-Mail die eine oder andere erfreuliche Nachricht bekam, die mich immer wieder reizte, weiterzumachen.

Ich habe kein Ziel, wie etwa, dass ich eine bestimmte Anzahl an Schätzen finden möchte. Mein Ziel ist, irgendwann einen weiteren Schatz zu verstecken und mir Inspirationen durch die anderen Verstecke zu holen, weiterhin die Geocaching-Wege entlangzugehen und mich immer wieder überraschen zu lassen.

Mittlerweile habe ich auch einige meiner Freunde davon überzeugen können, mich bei dem Spiel zu begleiten. Gemeinsam suchen wir und freuen uns, auf diese wunderbare Art und Weise die Zeit zu vertreiben.