Wir machen uns auf den Weg zur Holzhütte. Von der Rückseite des Klosters geht der Weg vorbei an weidenden Kühen in Richtung Wald. Nach einer Weile bleibt Bruder Christian stehen und deutet linkerhand auf eine Senke, dort unten befindet sich die neu errichtete Einsiedelei unter den Bäumen, nicht einsehbar von hier oben. Wir erreichen sie auf einem abschüssigen Pfad, ein Schild an einer Tanne begrüßt uns mit der Inschrift: "Franziskusklause Maria Eck. Wir bitten Sie, die Atmosphäre der Stille und des Gebets nicht zu stören." Das sei an Wanderer oder Neugierige gerichtet, sagt Bruder Chris- tian.

Die Klause selbst besteht aus einem Blockhaus mit zwei Räumen. Der eine dient als Schlafraum und ist mit einem Bett, einem Herd sowie Tisch und Stuhl versehen. Hier verbringen die Einsiedler ihre Zeit. Der zweite, kleinere Raum dient dem Gebet oder der Meditation. Das Innere der Hütte macht einen freundlichen Eindruck, man fühlt sich schnell geborgen. Bank und Tisch gibt es auch vor der Türe, von hier geht der Blick auf eine kleine Lichtung im Wald. Links davon plätschert das Wasser in einen Holztrog, etwas weiter entfernt steht das Toilettenhäuschen, die Lichtung ist von Bäumen umgeben. Für das Kochen ist man selbst zuständig, Bücher oder andere Ablenkungen sind nicht erwünscht. "Die Voraussetzung ist die Bereitschaft, einen eigenen Weg zu gehen", sagt Bruder Christian, "es geht hier nicht um Urlaub".

Eine Woche hat Gunther F. in dieser Holzhütte verbracht. Sich mit Nudeln, Reis und Tomaten selbst versorgt. Einmal am Tag hat der hagere pensionierte Grundschullehrer Holz gehackt. "Mich hat diese Einfachheit fasziniert", berichtet er von seiner Erfahrung als Einsiedler, "wie wenig man im Leben eigentlich braucht". Auch als es drei Tage regnete, war das kein Problem: "Ich hatte kein Buch dabei, nur ein Tagebuch. Darin habe ich meine Träume aufgeschrieben. Und ich bin näher zu mir gekommen."

200 Tage war im vergangenen Jahr die Einsiedlerhütte von Maria Eck belegt. Es kommen mehr Frauen als Männer, die Verweildauer beträgt einige Tage bis höchstens zwei Wochen, länger soll der Aufenthalt nicht dauern. Im Tagesablauf ist eine Stunde körperliche Arbeit vorgesehen, Holzhacken, Beerenpflücken oder Unkraut jäten.

Am Anfang gibt es einen "Naturtag", dabei geht es um das Wahrnehmen der Umgebung, die Geräusche, Gerüche und wie sich ein Baum anfühlt. "Einfach stehen bleiben und nur hören", sagt Bruder Christian, "das Murmeln des Baches oder das Geräusch des Flugzeugs über dir." Letztendlich gehe es darum, den "Schalter umzulegen", so der Franziskaner. Die Dinge nicht mehr mit dem Kopf zu begreifen, sondern einfach wahrzunehmen. Loszulassen. Ganz in der Wahrnehmung aufzugehen. "Alles was kommen will, soll kommen". Und es gehe auch gar nicht um bestimmte Probleme, die es hier zu lösen gäbe. Sondern um einen Prozess, der angestoßen wird und bei jedem etwas anderes in Gang bringt.

Auch für Gunther ging es während seiner Woche als Einsiedler im Wald viel um das Loslassen, Zulassen, Einlassen. Ein Gedicht von Rilke kam ihm in den Sinn, über den Panther, der vor lauter Gitterstäben keine Welt mehr sieht. Und er meditierte über einen Text des Evangeliums, den ihm Bruder Christian gebracht hatte, "Die Samariterin am Brunnen". Er nahm die Natur in sich auf, hörte die Vögel singen. Ab und zu kam ein Hase vorbei.