"Ich war einfach da",
diesen Satz hat jemand am 15. April in das kleine Büchlein geschrieben, das auf dem Holztisch in der Ecke des Raumes liegt. "War in Gedanken verloren, jetzt voller Zuversicht", lautet ein anderer Eintrag, vom September vergangenen Jahres.

Tisch und Büchlein gehören zur Einrichtung der Blockhütte, die in der Nähe des Klosters Maria Eck einsam im Wald steht. Es ist eine Einsiedelei, in der Gäste für eine oder zwei Wochen zu sich selbst finden können. "Es gibt immer mehr Menschen, die fragen: Soll das Leben aus dieser Tretmühle bestehen?", sagt Bruder Christian. Der Druck in der Arbeitswelt würde immer größer, so wie auch die Sehnsucht nach dem Ausstieg aus der Hektik. Vor zwei Jahren hat der Franziskaner die Einsiedelei auf Zeit ins Leben gerufen - und seitdem ist die Hütte meist ausgebucht.

In karger Einrichtung fallen innere Andacht und Achtsamkeit leichter. - © Stumberger
In karger Einrichtung fallen innere Andacht und Achtsamkeit leichter. - © Stumberger

Das Kloster Maria Eck liegt am Fuße des Hochfelln im bayerischen Chiemgau, von hier aus geht der Blick weit hinüber zum Chiemsee. Die Anfahrt schlängelt sich durch abgelegene Weiler hinauf in die Höhe. Der Wallfahrtsort geht zurück auf das 16. Jahrhundert, neben dem mächtigen Kirchenbau findet sich auch ein großräumiger Klostergasthof. Und etwas oberhalb liegt das Kloster der Franziskaner-Minoriten, fünf Brüder leben heute noch in den ehrwürdigen Mauern.

Sport und Spiritualität

Zu ihnen gehört Bruder Christian. Der schlanke 50-Jährige ist ein rühriger Pater, er kümmert sich um einen neu angelegten Steingarten, organisiert ein Jugendfest bei einem renovierten Heustadel des Klosters, hat an einem Wanderweg mit Hilfe von Freunden und Sponsoren eine Waldkapelle mit kleiner Grotte errichtet. Mit 32 Jahren ist er in den Orden eingetreten, zuvor hatte er als Sportlehrer in einem Sanatorium gearbeitet. Auf einer Reise durch Nepal und Sikkim hatte er in einem buddhistischen Kloster die Begegnung mit der Spiritualität: "Ich habe die Erfahrung gemacht, da gibt es noch mehr." Nach seiner Rückkehr beschäftigte er sich zusehends mit der Bibel und entschloss sich schließlich, Franziskaner zu werden.

Die Idee, eine Einsiedelei zu errichten, kam ihm durch die Erfahrung bei Exerzitien. "Meine Hauptaufgabe besteht darin, den Menschen zu helfen, in den Zustand der Achtsamkeit zu gelangen", schildert er seine Aufgabe bei der Betreuung der Einsiedler auf Zeit. Jeden Abend steht er für ein Gespräch über die Erfahrungen des Tages zur Verfügung.