Fachmann für Vermögensfragen: Arthur Schopenhauer. - © Daguerreotypie 1852, Wikimedia Commons
Fachmann für Vermögensfragen: Arthur Schopenhauer. - © Daguerreotypie 1852, Wikimedia Commons

Die Finanzkrise, die vor einiger Zeit, nicht ganz unverschuldet, über uns gekommen ist, hätte Arthur Schopenhauer zum Anlass genommen, einmal mehr als Philosoph aufzutreten, der nicht nur über Gott und die Welt Bescheid weiß, sondern auch Fachmann für Vermögensfragen ist. Schopenhauer verstand sich darauf, sein Geld zusammenzuhalten und so geschickt anzulegen, dass es ordentlich Zinsen abwarf.

Vor Fehleinschätzungen war man allerdings auch damals nicht sicher: 1826 scheint sich Schopenhauer verspekuliert zu haben, denn er berichtet seinem französischen Jugendfreund Anthime Grégoire: "Ich würde sogar bequem leben, aber unglücklicherweise habe ich einen Fehler begangen, indem ich eine beträchtliche Summe in Mexikanischen Fonds angelegt habe . . . Mein vermindertes Einkommen genügt noch für ein Leben als Junggeselle, in möblierten Zimmern, mit Essen an der Table d’hôte, alles ohne Luxus, aber anständig; ich habe das Notwendige und nichts weiter."

In Wahrheit hatte Schopenhauer stets mehr als das Notwendige. Im Verlauf seines überaus selbstbewusst absolvierten Lebens gelang es ihm, trotz des mexikanischen Fehltritts, das väterliche Erbe fast zu verdoppeln. Er starb wohlhabend, rechnete aber bis zuletzt mit dem Schlimmsten, das er vor allem in seinen Mitmenschen verkörpert sah: "Der Mensch ist im Grunde ein wildes entsetzliches Tier. Wir kennen es bloß im Zustande der Bändigung und Zähmung, welcher Zivilisation heißt; daher erschrecken uns die gelegentlichen Ausbrüche seiner Natur."

Vor dem mühsam zivilisierten Tier Mensch muss der Mensch auf der Hut sein, besonders dann, wenn er Philosoph ist und Schopenhauer heißt. Um es den Gaunern, die überall lauern, nicht unnötig leicht zu machen, entwickelte Schopenhauer mit den Jahren ein hauseigenes Sicherheitssystem, das er für ähnlich durchdacht hielt wie seine Philosophie.

Schopenhauers Testamentsvollstrecker Wilhelm Gwinner berichtet: "Seine Wertsachen hielt er dergestalt versteckt, dass trotz der lateinisch gegebenen Anweisung, die sein Testament dazu gab, einzelnes nur mit Mühe zu finden war. Keine Aufzeichnung, die sein Vermögen, seine häusliche Ökonomie und seine sonstigen Privatangelegenheiten betraf, vertraute er der Landessprache an; er führte sein Rechnungsbuch seit seiner Rückkehr aus Italien englisch und bediente sich bei wichtigen Geschäftsnotizen des Lateinischen und Griechischen. Um sich vor Dieben zu schützen, wählte er täuschende Aufschriften, verwahrte seine Wertpapiere als ‚Arcana medica‘ (Geheimmittel), die Zinsabschnitte besonders, in alten Briefen und Notenheften, und Goldstücke als Notpfennig unter dem Tintenfasse im Schreibpult."