Nach seiner Lehr- und Wanderzeit durch die Provinz gelangte er, nicht zuletzt durch Fürsprache des Schriftstellers Leopold von Sacher-Masoch, damals Rezensent der "Salzburger Zeitung", 1871 nach Wien, ans kleine Strampfer-Theater unter der Tuchlauben in der Innenstadt. Die ersten Auftritte Girardis in Wien erwiesen sich als vielversprechend. Bemängelnd wurde nur hie und da die noch etwas derbe Ausdruckskunst des 21-Jährigen.

Gesangskomiker

Sein Triumphzug indes begann ab 1874 am Theater an der Wien. Zunächst sah er sich häufig im Rollenfach des jugendlichen Liebhabers eingesetzt. Bald jedoch wurde diese Bühne, vorwiegend im Genre der Wiener Operette, das Stammhaus für Girardis größte Bühnenerfolge. Seit den 1860er Jahren hatte im Theater an der Wien, unter der Leitung der gefeierten Operettendiva Marie Geistinger und ihres Co-Direktors Maximilian Steiner, die abendfüllende Operette das wienerische Volksstück weitgehend verdrängt.

Girardi brillierte zunächst in Werken des Begründers der Wiener Operette, Franz von Suppé. Dessen "Boccaccio", "Fatinitza" und "Die Afrikareise" bescherten Girardi schöne Erfolge. Maßgeblich für den Durchbruch von Girardis Karriere als Gesangskomiker aber wurde seit 1875 die Zusammenarbeit mit Johann Strauss Sohn, der nach der sehr wienerischen Hochstapler-Operette "Ca-gliostro", in der Girardi den durchtriebenen Gaunergehilfen Blasoni spielte, in nahezu jedes seiner Werke eine wesentliche Rolle für den Künstler hineinschrieb.

Den unerhörten Erfolg seines Gesangswalzers "Nur für Natur" in "Der lustige Krieg" musste sich Girardi gegen den Zweifel des Komponisten geradezu erkämpfen. Stürmisch bejubelt wurde Girardis Gesangskunst vor allem auch beim Lagunenwalzer der Strauss-Operette "Eine Nacht in Venedig": "Girardi sang die herrliche Melodie mit Blut und Seele, und er musste sie unter dem Beifallsdonner des Publikums dreimal zum Vortrag bringen." (Hadamowsky, "Wiener Operette")

"Man muss staunen über den Drang zur Darstellung, die ihm Bedürfnis war und zugleich eine hochgeartete Lust bedeutete." Das schrieb Erhard Buschbeck über Hermann Bahr, aber es könnte auch für Alexander Girardi gelten. Die Ära der "Goldenen Wiener Operette" verdankt Girardi einen Großteil ihres Glanzes. In einer zeitgenössischen Kritik hieß es: "Man ging nicht mehr ins Theater, um ein neues Stück kennenzulernen, sondern um Girardi in einer neuen Rolle zu sehen."

Nach seinem Abschied vom Theater an der Wien 1896 verlief Girardis Karriere unstet. Der Künstler wechselte häufig die Theater. Er spielte nun allzu oft im Genre der allerleichtesten Posse, freilich mit Bravour und durchschlagendem Erfolg. In der Presse häuften sich allerdings Klagen, er hätte durch seinen solistischen Starkult manchem Textdichter die ohnehin oft zu dünne Suppe versalzen. Indes, der Vorwurf, er diene als Zugpferd für mindere Theaterware, fiel auf die Librettisten und Theaterprinzipale zurück.