Payer klärt den Leser auf, dass Hamburg die eigentliche Paternoster-Hochburg war, aber auch die Wiener Firma Freissler einige dieser in der Anschaffung teuren, im Betrieb jedoch (mangels Aufzugsbegleiters) billigen Massenbeförderungsmittel herstellte und liebevoll individualisierte, wie den noch existenten Lift im "Haus der Industrie" am Schwarzenbergplatz. Freissler stieg zum liberalen Abgeordneten im Reichsrat auf und belieferte vom Favoritner Davidplatz aus internationale Kunden mit seinen innovativen Produkten. Neben Aufzügen entwarf er auch imposante Lastenkräne, die in Docks und Bergwerken Verwendung fanden. Die Firma wurde später vom amerikanischen Aufzugsgiganten Otis übernommen. Am Wienerberg stand auch die Fabrik von Wertheim, neben Füglister (seit 1888) und Theodor d’Ester Marktführer in Wien.

Gesamtkunstwerk

Payer beschränkt sich nicht auf Paternoster, sondern zeigt Rolltreppen und Pendellifte, darunter wunderschöne Jugendstilmodelle. Edle Kabinen-Modelle stammten vom Hersteller Petravič, der Aufzugs- und Tresorfirma Wertheim sowie von Freissler und d’Ester. Kristallglas und Furniere gestalteten die Kabinen, die mit moderner Steuerungstechnik und Fangvorrichtungen ausgestattet waren oder nachgerüstet wurden. Allein die Schalter aus Porzellan und die kunstvollen Messingknöpfe und -schilder formierten ein Gesamtkunstwerk, dessen kulturhistorische Bedeutung der technikaffine Autor in den Vordergrund hebt.

Payer lässt aber auch die soziale Komponente des Aufzugsbaus nicht außer Acht. Denn während in der k.u.k. Monarchie und noch weit in die Erste Republik hinein das edle Berganschweben in Wohn- und Geschäftshäusern das Vorrecht privilegierter Wiener Bürger und bis zum März 1919 auch Adeliger war, ließ in der Zweiten Republik das wiedererstandene Wohnbauprogramm der Gemeinde verbunden mit einfacheren Aufzugskonstruktionen eine technische Aufrüstung der jüngeren Gemeindebauten zu. Dasselbe galt für die Wohnhäuser von Genossenschaften.

Das vorliegende Werk vermittelt eindrucksvoll, wie eng die Geschichte der mechanisierten Aufzüge mit kulturellen und sozialhistorischen Aspekten verbunden ist. Payer gelingt es, die paradigmatische Funktion und das Protzgehabe, das mit den "SUVs" der Gründerzeit verbunden war, in Wort und Bild zu bannen, wobei mehr als 150 Abbildungen auch den Preis einer halben Tankfüllung rechtfertigen.

Peter Payer

Auf und Ab

Eine Kulturgeschichte des Aufzugs in Wien. Brandstätter, 200 Seiten, ca. 150 Abb., 34,90 Euro.