Meine erste Lego-Erinnerung, das ist Venedig aus Lego, kunstvolle Säulchen (so kunstvoll es eben geht mit hauptsächlich 4er- und 8er-Steinen) in Gelb, Rot und Weiß, darüber dünne Platten, auf denen Häuser oder Brücken mit Fenstern (Seufzerbrücke!) in die Höhe wachsen, oftmals mehrere Stockwerke, oben gekrönt von allen roten Dachziegeln, die es gab. Das war für mich die ideale Verwendung des Materials meiner Kindheit. Nach Verbrauch aller Steine durften die kleinen, damals noch alle gleich lächelnden Männchen mit ihren knallgelben Köpfen über die filigranen Konstruktionen spazieren. Wehe, einer fiel dabei herunter oder ein Haus stürzte ein - hinein in die Adria aus rotem Kinderzimmerfilz, alias Spannteppich der 80er Jahre.

Kisten von damals

Als mein Sohn das dritte Lebensjahr knapp überschritten hatte, standen sie wieder da - die Kisten von damals mit den vielen bunten Steinen. Für meinen Sohn eine völlig andere Ausgangslage. Hatte ich mir den Reichtum über die Jahre zusammengespart, startete er mit einem Grundkapital vergleichbar dem einer Eigentumswohnung (Generation Erben!). Meine "Lieblingswelt" Fabuland wurde übrigens sofort aussortiert - uncool! Und Venedig . . . wer braucht eine Stadt, Architektur überhaupt, wenn man Fahrzeuge bauen kann?

- © Weidinger
© Weidinger

Wir leben zwar nicht im Legoland (obwohl meine Ex-Schwiegermutter dies hartnäckig behauptete), aber doch in etwas, das man als Lego-versum bezeichnen könnte. 30m2 meiner Wohnung wurden also von Lego übernommen. Mein Sohn ist der Boss. Nexo Knights und Ninjago sind das neue Fabuland.

Seit Eintreffen der ersten Kiste in unserer Wohnung sind drei starke Lego-Jahre vergangen, mein Sohn spricht inzwischen viel und gerne über seinen späteren Berufswunsch "Lego-Erfinder", und sein Sparschwein frisst gierig Euros, die - sobald es sich altersmäßig irgendwie ausgeht - in Lego Mindstorms investiert werden sollen - jene Erfindung von Lego, die es ermöglicht, die eigenen Konstruktionen zu programmieren. In vier Jahren, so meine kühne Rechnung, bringt mir also ein Lego-Roboter Kaffee und Zeitung ans Bett. Dass auch die Lego-Company in diese Richtung denkt, zeigen die Kampfanzüge der neuen Ritter - kein Nexo Knight, der sich nicht in einen Roboter verwandeln kann.

Lego, das ist mir mittlerweile aufgefallen, hat einen derart großen Appeal, dass man sogar als Erwachsener dazu verleitet ist, sich im Namen der Firma Gedanken zu machen. Ich habe also nicht nur wieder begonnen zu bauen, sondern auch Lego zu erforschen. Mein Ergebnis nach einem halben Jahr praxisnaher Recherche sind drei Thesen zu Lego.