These 1:Lego enttarnt schlechte Chefs. "Lego Serious Play" als Coaching-Methode.

219 Lego-Teilchen, drei Minuten, ein Turm. So lautet die erste Aufgabenstellung bei meinem eintägigen Lego-Serious-Play-Workshop im Wiener Impact Hub. Meinem Sohn habe ich erzählt, dass ich mir einen Tag lang Lego "für Erwachsene" anschauen gehe. Und hier sitze ich nun und baue. Neben mir fünf andere Teilnehmer aus Österreich, Deutschland und der Schweiz, die meisten von ihnen aus der Wirtschaft. Am gegenüberliegenden Tischende steht unser Trainer Michel Cloosterman, seinerseits Firmenchef des Ein-Personen-Unternehmens "Bricks and Business" aus den Niederlanden. Er ist einer von elf von der Association of Master Trainers anerkannten "Lego-Serious-Play"-Trainern weltweit. Während ich nur für einen Tag lang mit baue, sollen meine Kollegen in vier Tagen für mehrere tausend Euro zu sogenannten facilitators ausgebildet werden, Menschen also, die zertifiziert sind, die Coaching-Methode in ihrem Arbeitsumfeld (oder wo auch immer) anzuwenden.

"Nicht denken, bauen!"

Bevor es an die Steine geht, gibt uns Michel eine kurze Einführung in die Methode, die mittlerweile in den obersten Managerebenen in Form von Teambuilding- oder
Visionsworkshops angekommen ist. Als die Lego-Company in den späten 90er Jahren in eine Krise schlitterte, hatte CEO Kjeld Kirk Kristiansen, der Ur-Enkel des dänischen Firmengründers, eine geniale Idee.

Anstatt lange über Lösungsansätze zu diskutieren, sollten die führenden Köpfe bei Lego ihre Ideen direkt aus den Steinen bauen. "Die Antwort liegt bereits in euren Händen, es ist nur das Hirn, das ein bisschen nachhinkt", wird es Michel später auf den Punkt bringen. Die Methode schlug ein wie eine Bombe, sodass sie bald auch anderen Firmen angeboten wurde. Lego begann wieder grüne Zahlen zu schreiben und überließ die Coaching-Schiene ab 2008 dem freien Markt. Die "Association of Master Trainers", der Michel angehört, ist ein Versuch, die Methode dennoch zu schützen.

Meine Kollegen und ich wechseln den Tisch, denn Reden bzw. Arbeiten und Bauen müsse an zwei separaten Orten stattfinden, sagt Michel. "Ich habe für euch das mittelgroße Starterset ausgewählt", erklärt er und stellt rund 30 x 20 cm große Boxen vor uns auf den Tisch. Je nach Gruppe und Aufgabenstellung gibt es auch Sets zu 49, 2400 und 2600 Steinen.

Jeder Teilnehmer bekommt ein originalverpacktes Set, das im Workshop-Preis inbegriffen ist. Die stille Konzentration wird vom sechsmaligen Aufreißen von vier Plastikpäckchen gestört. "Im Namen von Lego entschuldige ich mich, dass immer noch so viel Plastik verwendet wird", sagt Michel mit einem Schmunzeln. Aber irgendwie gehört es doch einfach dazu, das Aufreißen. Mein Sohn würde sowieso sagen: "Es ist der beste Moment, wenn ich die Sackerl aufreiße."