Direkt gegenüber geht es etwas gesitteter zu. Bescheiden und eher wortkarg präsentiert Herbert Mühlöcker mindestens 20 verschiedene Bauwerke aus Wien auf einem etwa drei Meter langen Tisch. Um UNO-City, Karl-Marx-Hof und die Kirche am Zentralfriedhof so maßstabgetreu wie möglich aufbauen zu können, mache er sich nicht selten auf die Suche nach Originalplänen, erzählt er. Hier wird also historische Recherche betrieben.

Der Wunderwuzzi

Am Schluss des Rundgangs komme ich vor Mike Brandls Schokoladenfabrik zu stehen. Auf einem Förderband gleiten kleine Milka-Naps, die eben erst in der "Fabrik" verpackt wurden, an einem vorbei. Der gebürtige Wiener Brandl ist so etwas wie der "Wunderwuzzi" der Truppe: Er ist nicht nur Österreichs Lego-Mindstorms-Experte, sondern auch der direkte Draht zur Lego-Company. Schon seit längerem kooperiert die Firma als Teil ihrer Marketingstrategie mit ihren sogenannten "lead usern", auch als AFOLS - Adult Fans of Lego bezeichnet. Wie geschickt die ehemals fast bankrotte Firma darin geworden ist, füllt mittlerweile bereits wissenschaftliche Publikationen. Das sogenannte "Ambassador Network" zählt momentan rund 300 registrierte Lego-Fans. Diese besonders aktiven Mitglieder bilden die Schnittstelle zwischen Fans und Unternehmen.

Ambassadors sind jedoch nicht die einzigen Posten, die die Lego Company an ihre treue Gefolgschaft vergibt. "Mein ‚Titel‘ ist MCP (Mindstorms Community Partner, Anm.), im Prinzip auch ein Bindeglied zwischen Lego und den Mindstorms-Fans", sagt Mike Brandl. In anderen Marktsegmenten würde er vielleicht als "Influencer" bezeichnet werden. "Ich durfte bei der Produktgestaltung schon mitreden", erzählt er sichtlich stolz, während seine Frau neben ihm die fertigen Schokoladen an die kleinen Gäste der Ausstellung verteilt.

- © Weidinger
© Weidinger

Mein Sohn, zurückgekehrt aus der Wühlecke, greift zu. Ob ich ihm später von den Ambassadors erzählen soll? Wer weiß, vielleicht wäre das ein guter erster Schritt auf der Lego-Karriereleiter? Eigentlich erstaunlich, dass ich nicht längst in der Lego-Pressestelle arbeite; aber vielleicht hätte man in Dänemark ja in Zukunft ein Plätzchen für mich? Alleine mag mein Sohn nämlich nicht in ein anderes Land gehen - zumindest sagt er das jetzt einmal so.