Im Teufelskreis der Einsamkeit - © CindyGoff / stock.adobe.coma
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Es ist eine der größten Herausforderungen der Zivilisation. Zudem eine wesentliche negative Auswirkung einer digitalisierten Gesellschaft. Oder auch, wie in England nun festgestellt wurde, die traurige Realität des modernen Lebens. Dennoch scheint es so, als würde das Problem viel zu wenig adressiert, nach Lösungsansätzen gesucht oder in der breiten Öffentlichkeit diskutiert. Ja, manche Menschen beklagen sogar, dass es zu wenig davon gibt und dass es doch eigentlich gesund und verständlich sei, es zu wollen. Die Rede ist von Einsamkeit.

"Ich war die letzten Jahre eigentlich nicht draußen. Früher hatte ich eine Freundin, die hat eingekauft, aber seit dem Ende der Beziehung mache ich eigentlich nichts mehr." Thomas ist das erste Mal in dieser Runde der Gruppentherapie. Einer von zehn Menschen, deren Ziel es ist, wieder ein soziales Leben führen zu können. Interessant ist dabei, dass sich einige Voraussetzungen für die Einsamkeit der Teilnehmer nicht nur überschneiden, sondern gleichen: Verlust von Menschen oder Jobs, finanzielle Probleme oder gesundheitliche Einschränkungen. Einsamkeit ist somit eine "Nebenwirkung" von Armut und Digitalisierung.

"Alleinsein war früher nie ein Problem, im Gegenteil. Ich wollte alleine sein. Der Stress in der Arbeit und mit Partner und Kindern. Einfach abschalten, erholen und alleine sein", so Patrizia, die nach einem Burnout nicht mehr "zurück in die Spur fand", wie sie es nennt. "Sie sollten sich immer vor Augen halten, dass es ein wesentlicher Unterschied ist, ob man das Alleinsein freiwillig wählt oder aber unter Einsamkeit leidet. Wer wünscht sich nicht einen Moment der Ruhe oder sogar eine Auszeit fern des Alltags und der Probleme. Aber wer will wirklich sein Leben ohne Menschen verbringen?" Werner leitet die Gruppe und wird, wie alle hier, mit dem Vornamen angeredet. Namen, Rollenbilder, Titel, Beruf, Alter, Geschlecht oder Religion sind hier kein Thema. Denn Einsamkeit kennt auch keine Unterschiede und Grenzen. Apropos Grenzen. Gerade im Bereich der Integration zeigt sich Einsamkeit am deutlichsten. Wer aufgrund sprachlicher Barrieren, körperlicher Einschränkungen oder finanzieller Möglichkeiten nicht am öffentlichen Leben teilnehmen kann, verschwindet. Fühlt sich wert- und sinnlos. Daher sind auch Erzählungen über Suizidversuche oder zumindest das Denken darüber an der Tagesordnung.