Draußen tobt der erste Herbststurm des Jahres, drinnen herrscht eine fast schon heimelige Atmosphäre. Wer zum ersten Mal in die Hauptbücherei am Wiener Gürtel, immerhin einer der Hauptverkehrsadern der Stadt eintritt, dem fällt vor allem eines auf: die Ruhe. Hier herrscht ein geradezu anachronistischer Frieden. Schlendern, nicht hetzen, das ist die Bewegungsgeschwindigkeit, leises Murmeln, Seitenrascheln, Tastaturgeräusche und hin und wieder ein Husten, das ist alles, was zu hören ist, wenn man sich hineinbegibt, in diesen Wissenstempel.

Niederschwelliger Zugang, sei es, was die Büchereien hier bieten wollen, erklärt Christian Jahl, Leiter der Hauptbücherei. Jeder darf eintreten, Zeit verbringen, lesen, arbeiten, in die Luft schauen. Nur wer Bücher mit nach Hause nehmen will, muss einen Entlehnausweis lösen.

Jahl führt gerade eine Gruppe von Schülern im Rahmen einer Rechercheschulung zur Vorwissenschaftlichen Arbeit (VwA) durch das Haus. Die Jugendlichen sollen sich Themen überlegen, potenzielle Quellen finden, zitieren lernen. Dabei ist das Suchen nach entsprechenden Büchern im Katalog eine der Einstiegshürden.

Über 400.000 Medien

Bei über 400.000 Medien, etwas über 300.000 davon sind Bücher, der Rest elektronische Medien, DVDs, e-Books, Spiele, Zeitungen und Zeitschriften verliert man leicht den Überblick. Also brauchen die Schüler zuallererst Orientierungshilfen und Rechercheanleitungen, damit sie sich zurechtfinden.
Gebühren werden für Schüler bis 18 Jahre keine fällig, so man die Entlehnfrist nicht überzieht, erklärt der Büchereien-Chef den aufmerksamen Jugendlichen. Automaten erleichtern das schnelle und eigenständige Ausborgen, Verlängern am PC von zu Hause aus ist für die Teenager ohnehin kein Problem. Das Finden der jeweiligen Bücher in den Regalen hingegen gestaltet sich anfangs hingegen durchaus als gewöhnungsbedürftig, allein schon aufgrund der Fülle des Angebots. Aber auch da gibt es ein System sowie die hilfreichen Mitarbeiter der Bücherei, die an VwA-gestresste Jugendliche gewöhnt sind.

Auf immerhin 6000 Quadratmetern erstrecken sich die Bücherregale der Hauptbücherei – "Das ist eigentlich wenig im Vergleich zu anderen Städten, in Berlin sind es 53.000 Quadratmeter, in Amsterdam 20.000, aber wir haben mehr Zweigstellen als andere Städte, bemühen uns in der Nähe der Schulen zu sein", so Jahl.