Damals: Ein Hauch Anerkennung, kein Geld

1854 ging Gruber nach einer Anfrage aus Deutschland daran, die lange Zeit irrtümlich für ein Tiroler Volkslied gehaltene Komposition wieder einzufangen. In der "Authentischen Veranlassung" beschrieb der mittlerweile als Kirchenmusiker in Hallein tätige Komponist die Umstände der Entstehung. Von F.X. Grubers kirchenmusikalischen Werken brachte es keines zu annähernd großer Bekanntheit. Erlebte Gruber noch ansatzweise mit, welch unglaubliche Reise "Stille Nacht" hingelegt hatte – er starb 1863 – war Mohr dies nicht vergönnt. Arm wie eine Kirchenmaus hatte der Vikar 1848 in Wagrain das Zeitliche gesegnet. Finanziell brachte "Stille Nacht" den beiden Schöpfern übrigens keinen Kreuzer ein. Ein Urheberrecht wie heute gab es noch nicht.

Heute: 300 Millionen Euro mit "Last Christmas"

Dass man heutzutage mit einem einzigen Weihnachts-Ohrwurm ausgesorgt haben kann, beweist "Last Christmas" (1994) des britischen Pop-Duos Wham. George Michael, dem die Songrechte gehörten, verdiente daran nach Schätzungen gut 300 Millionen Euro. Zu den Verkäufen auf Vinyl, CD und in digitaler Form kommt im Advent eine geradezu nervtötende Radiopräsenz. Jedes Mal, wenn "Last Christmas" aus dem Äther ertönt, klingelt es in den Kassen von George Michaels Erben. Der Popstar starb am 25. Dezember 2016.

In den Fußstapfen Franz Xaver Grubers

Um 1910 war "Stille Nacht" bereits allgemeines Kulturgut – und Grubers Enkel Felix (1882–1940) avancierte zu einem seiner eifrigsten Promotoren. Er publizierte zur Geschichte des Liedes, führte es zu Weihnachten am Grab seines Großvaters auf und stimmte dazu die originale Gitarre Mohrs an, die heute der größte Schatz des Halleiner Stille-Nacht-Museums ist. Nur konsequent, dass Felix Gruber in der ersten Verfilmung des Stoffes, die 1934 unter dem Titel "Das unendliche Lied" in die Kinos kam, seinen Großvater verkörperte.

Rapper DAME: Franz Xaver Grubers Ururururenkel

In die Fußstapfen Franz Xaver Grubers trat auch sein Ururururenkel Michael Zöttl. Der 28-Jährige aus Salzburg, besser bekannt als Rapper DAME, schaffte es mit seinen beiden jüngsten, im Eigenlabel produzierten Longplayern sogar an die Spitze der österreichischen Album-Charts. Von einer Hip-Hop-Version von "Stille Nacht" hält DAME nichts. "Die schönste Version ist und bleibt das Original", sagte er in einem Interview (www.damestream.at).