Ein Evergreen in den USA

Spätestens mit der ersten Einspielung auf Schallplatte durch das "Haydn Quartet" im Jahr 1905 wurde "Silent Night" zum populärsten Weihnachtslied der USA. Daran hat sich bis heute nichts geändert, wie das Magazin "Time" herausfand. Mit 733 Aufnahmen von 1978 bis 2014 ließ die Komposition Mohr-Grubers "Joy to the World" (391) und "Jingle Bells" (213) weit hinter sich. Und von den zehn meistverkauften Weihnachts-Alben in den USA kamen nur zwei ohne "Silent Night" aus: Compilations von Barbra Streisand und Céline Dion.

Seltsame Blüten …

… treibt "Stille Nacht" in der 5000-Einwohner-Ortschaft Frankenmuth im US-Bundesstaat Michigan. Dort hat Stille-Nacht-Fan Wallace Bronner (1921–2008) die Oberndorfer Stille-Nacht-Gedächtniskapelle – mit Genehmigung aus Salzburg – nachbauen lassen. Sie gehört zu Bronners "CHRISTmas Wonderland", dem nach eigenen Angaben größten Weihnachtsshop der Welt. 350 aufgeputzte Christbäume, Abertausende Deko-Artikel, angeordnet auf einer Verkaufsfläche in der Größe von zwei Fußballfeldern, verschaffen dem Wonderland zwei Millionen Besucher im Jahr. Die Kapellen-Kopie ist frei zugänglich, es ertönt, wie könnte es anders sein, ein Stille-Nacht-Medley in zahlreichen Sprachen (www.bronners.com).

So laut wie möglich: Die Toten Hosen

Wie laut darf die "Stille Nacht" erklingen? So laut wie geht, befanden die Toten Hosen. Die Düsseldorfer Punkrocker bürsteten auf ihrem 1998 erschienenen Album "Wir warten auf’s Christkind" die gängigen Weihnachtsballaden gegen den Strich und rockten das getragene "Stille Nacht" in einer Minute und 50 Sekunden herunter. "Es ist eine Platte zum Abfeiern, wenn du die Schnauze voll hast von diesem besinnlichen Weihnachten", richtete Frontmann Campino damals aus. Respektlosigkeit? Im Oberndorfer Stille-Nacht-Museum wird das locker gesehen.

Zwischen Megakommerz und Innehalten

Stille-Nacht-Tassen, -Stofftiere und -Schokoriegel, und auf das Jubiläum kann man sogar mit Stille-Nacht-Bier anstoßen. Dass der Kommerz auch hierzulande den Evergreen ausreizt, wird spätestens auf Salzburgs Adventmärkten offenkundig. Wer das Weihnachtslied ernst nimmt, geht jedoch sparsam damit um. Ein Beispiel dafür ist das Salzburger Adventsingen im Großen Festspielhaus. Nur alle zehn Jahre wird "Stille Nacht" zum Thema der Weihnachtsgeschichte – "aus Respekt vor dem Lied", wie Hans Köhl, Leiter des Adventsingens, sagt. Im Dezember 2018 ist es aber wieder soweit – die Geschichte kehrt in das Oberndorf des Jahres 1818 zurück (www.salzburgeradventsingen.at).