Seit sieben Jahren gibt es übrigens Fairtrade-Christbaumsamen – bei den Konsumenten wird das aber erst in gut fünf Jahren ankommen. Denn, so Raith: "Vom Samenpflücken bis zur Pflanzung dauert es drei bis vier Jahre. Und ein Baum muss dann sechs bis acht Jahre wachsen, bis er seine 1,70 Meter erreicht hat." Raith setzt neue Bäume übrigens nicht im Frühling, sondern erst im Herbst. "Im Frühjahr sind sie anfälliger gegen die Trockenheit, wenn sie nicht über den Winter Wurzeln gebildet haben. Das ist vielen nicht bewusst." Warum das so ist? Eine Nordmanntanne treibt von Ende April bis Anfang September aus, "danach bildet sie kein Grün mehr, sondern hauptsächlich Wurzeln aus", erklärt der Landwirt. "Wenn ich den Baum also im September setze, wurzelt er über den Winter an und kann viel besser wachsen."

Der heurige Sommer wird sich später auswirken

Dass der heurige Sommer besonders heiß und trocken war, werden die Österreicher am Heiligen Abend 2018 noch nicht bemerken. Was die aktuellen Christbäume betrifft, hat Raith in der Größenordnung bis 2,5 Meter zumindest in Niederösterreich bisher keine Schäden gesehen, "in Deutschland schon". Die frischen Triebe und die Nadeln sind dort kürzer gewachsen. Insgesamt ist das Angebot fürs heurige Weihnachtsfest also gesichert. Bei den Bäumen für die kommenden Jahre sieht es aber weniger gut aus. Viele Setzlinge sind heuer vertrocknet, sodass mit hohem Aufwand nachgepflanzt werden musste. Die Christbaumbauern hoffen nun auf feuchtere Jahre. Die Weißtanne leidet übrigens wesentlich mehr unter trockener Hitze als die Nordmanntanne, deren Samen aus dem Kaukasus kommen. Den Bäumen, die das dortige milde Klima gewohnt sind, dürfte auch jenes in Österreich zusagen.

"Das Hauptproblem haben die Fichten, die sind Flachwurzler, und die Coloradotannen, die aus den USA kommen. Dort ist es auch heiß, aber der Samen kommt aus 3000 Metern Höhe, und bei uns stehen sie in einer anderen Zone." Ein Problem ist, dass diese Bäume heuer besonders viele Zapfen ausgetrieben haben, "und das hat sie auch geschädigt". Viele Zapfen (und damit viele Samen zwecks Verbreitung) sind ein Zeichen für Stress durch lange Trocken- und Hitzeperioden. Die Coloradotannen haben auch oft nicht so schöne Wuchsformen, erklärt Raith: "Von 100 gepflanzten Coloradotannen oder Blaufichten kann man vielleicht 30 bis 40 als Christbäume ernten, bei 100 Nordmanntannen sind es 70 bis 80." Es hat also schon seine Gründe, warum die Nordmanntanne in Österreich dominiert. "Sie hat eine schöne Wuchsform, ist schön grün und hält die Nadeln am besten, allerdings duftet sie nicht so stark wie etwa die Fichte." Das liegt daran, dass die Tannen mehr Wachs auf den Nadeln haben. Deshalb nadeln die Fichten stärker, geben aber auch mehr Harzgeruch ab. Wenn die Nordmanntanne am Heiligen Abend zu wenig duftet, kann man einen Weiß- oder Silbertannenzweig unter den Baum legen, damit es richtig nach Weihnachten riecht.

Nach Rot sind heuer natürliche Farben gefragt

Und so ein Reisigzweig macht sich ja auch als Dekoration ganz hübsch. Apropos: Hier gehen die Österreicher zwar mit der Zeit, was den Einsatz von LEDs statt echter Wachskerzen betrifft. Ansonsten halten sie sich oft an die jeweilige Familientradition, was den Baumschmuck betrifft. Aus den verschiedensten Bereichen des Wiener Fachhandels wird gemeldet, dass zu den Dekorationshighlights 2018 besonders natürliche Farben bei Kugeln und Schmuck aller Art zählen – Creme, Beige und Brauntöne stehen also heuer hoch im Kurs. Voriges Jahr dominierte die Farbe Rot.

Ebenfalls beliebt sind laut der Wiener Wirtschaftskammer Glas- und Alu-Dekorationen, auch in Form von Vintage-Figuren – neben den nicht wegzudenkenden Schokoschirmchen, Windringen und anderen Süßigkeiten, die nicht nur die Kleinsten gerne vom Baum pflücken, wobei sich das sukzessive reduzieren dürfte. Laut einer GfK-Umfrage aus dem Vorjahr haben zwar fast 85 Prozent der Österreicher ihren Christbaum mit bunten Kugeln geschmückt, aber nur noch rund 50 Prozent mit Naschzeug. Aus der Mode kommt auch Lametta, um nicht zu sagen: Es stirbt allmählich aus, nachdem vor drei Jahren der letzte deutsche Hersteller zugesperrt hat. 2017 haben immerhin noch gut 40 Prozent der befragten Österreicher ihren Baum mit glitzerndem Engelshaar geschmückt. Ebenso viele würfeln ihren weihnachtlichen Schmuck bunt zusammen. Und 35 Prozent behängen ihren Baum mit schlichten Strohsternen. Beim Kunsthandwerk will der Wiener Innungsmeister Wolfgang Hufnagl in Bezug auf die Weihnachtsdekoration nicht von Trends sprechen, sondern von "kreativer Originalität" der verschiedenen Designer, die vermehrt auf alternative und Naturmaterialien wie Filz oder das sogenannte Upcycling setzen.

Was den Baum selbst betrifft, gibt es ein Ost-West- beziehungsweise Nord-Süd-Gefälle, meint Raith: "Wo mehr Gebirge und Wald ist, werden mehr reihige und weniger dichte Christbäume bevorzugt, während sie in der Stadt, wo es an Grün ohnehin mangelt, möglichst dicht und grün sein sollen. Ich wage immer wieder zu behaupten, dass wir in Österreich die schönsten Christbäume Europas haben."