1969 gab es eine Telefonnummer, die man anrufen konnte: "Die Platte des Tages". Dort war "Je t’aime . . . moi non plus" zu hören, und meine Gymnasiasten-Kollegen und ich, wir drängten uns zu dritt oder sogar zu viert in die öffentliche Telefonzelle am Urban-Loritz-Platz neben der Schule, steckten 1-Schilling-Münzen in den Schlitz, ohne zu ermüden, drückten unsere Ohren an den schmierigen schwarzen Hörer und belauschten mit wummerndem Herzen und trockenem Gaumen Jane Birkin und Serge Gainsbourg beim Liebesspiel.

Dafür danke ich dir, liebe Jane Birkin, auch noch nach so vielen Jahren. Du hast für uns die Drehtür zum Reich der Sexualität geöffnet und uns damit ganz schön schwindelig gemacht.

Ein Höhepunkt ganz anderer Art gelingt am Abend des 20. Juli 1969: Damals betritt Neil Armstrong als erster Mensch den Mond und sagt: "Ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein gewaltiger Sprung für die Menschheit!" - Über diesen berühmten Ausspruch gibt Armstrong 2011 zu Protokoll: "Ich dachte darüber nach der Landung nach. Und weil wir viele andere Dinge zu tun hatten, war es nichts, worauf ich mich besonders konzentrierte, sondern etwas, das im Unterbewusstsein herumschwirrte. Aber es war im Grunde eine ziemlich einfache Aussage. Es war nicht sonderlich komplex. Es war, was es war."

Edwin "Buzz" Aldrin folgt ihm wenige Minuten später, während Michael Collins in der Kommandokapsel von Apollo 11 bleibt und den Mond umkreist.

Die Fernsehübertragung der Mondlandung ist ein Medienereignis, das von 600 Millionen Menschen verfolgt wird. Der ORF berichtet in einer 28 Stunden und 28 Minuten dauernden Live-Sendung über die Mission von Apollo 11. Kommentiert wird die Sendung von Peter Nidetzky, Herbert Pichler, Othmar Urban und Hugo Portisch.

Seit 1969 arbeitet das Institut für Nachrichtentechnik und Wellenausbreitung der Technischen Universität Graz an Entwicklung und Bau von Instrumenten für die Erforschung des Weltalls und zur Satellitenkommunikation. Schon früh hat sich Österreich entschlossen, in Weltraumangelegenheiten aktiv zu sein. Diese Entscheidung hat die Entwicklung der Österreichischen Raumfahrttechnologie, Raumfahrtindustrie und Weltraumforschung gefördert. Auf diese Weise werden Arbeitsplätze geschaffen, und Österreich wird ein seriöser Partner in der Raumfahrt und arbeitet in internationalen Kooperationen.

Nach ihrer geglückten Rückkehr zur Erde schickt Wiens Bürgermeister Bruno Marek mit einhelliger Zustimmung des Stadtsenates an die drei Astronauten wie auch an den Botschafter der Vereinigten Staaten in Wien Glückwunschtelegramme. Das Telegramm an die drei Astronauten lautet: "Die ganze Welt und auch die Bewohner der traditionsreichen österreichischen Bundeshauptstadt Wien sind fasziniert von Ihrer einmaligen Leistung. Ihr Flug zum Mond hat das Tor zu einem neuen Zeitalter in der Entwicklung der Menschheit aufgeschlossen. Die Stadt Wien, Hauptstadt des neutralen Österreichs, würde sich glücklich schätzen, die Wegbereiter dieses neuen Zeitalters in ihren Mauern begrüßen zu können."