Prostata-Transplantation

Arthur Schütz ist 1960 gestorben. Die Grubenhunde leben weiter. Bis heute verbellen diese trojanischen Tiere mit den vier Rädern ihre Beute mit Vorliebe innerhalb der wissenschaftlich-technischen Berichterstattung. Da finden wir dann Meldungen über die erste erfolgreiche Prostata-Transplantation oder über Rindomaten-Zellen, eine gelungene Fusion von Pflanzen- und Tierzellen, die die Herstellung von Hamburgern erleichtert.

Welche Chancen haben Grubenhunde in Zeiten des Internets? Das wollte eine Diplomarbeit an der Universität Eichstätt testen. Eine Presseinformation, die per E-Mail verbreitet wurde, berichtete am 1. Juli 2004 von der Entdeckung eines menschlichen Sex-Gens durch eine Forschergruppe des Münchner Arthur-Schütz-Instituts. Viele Anfragen, darunter einige Bitten um Interviews mit dem Leiter des Forschungsprojekts, waren die Folge. Drei Medien berichteten in enger Anlehnung an die Pressemeldung von dieser "wissenschaftlichen Sensation". Da aber einige Redaktionen den Fake schon nach kurzer Zeit entlarvten, blieb ein größeres Medienecho für das Sex-Gen aus. Ergebnis dieses Experiments: Das Internet ist ein effektives Mittel, um Falschmeldungen zu lancieren. Aber es ermöglicht auch, diese durch gründliche Quellenrecherche schnell aufzudecken.

Die Sensibilität für Fehler ist im Journalismus inzwischen gewachsen. In großen Fernsehanstalten prüfen eigene Verifikationsabteilungen die Authentizität der Bilder und Filme. Da Social Media es heute für jeden möglich machen, vom Empfänger zum Sender zu werden, hat der Journalismus seine Rolle als Gatekeeper teilweise verloren. In Zeiten wachsenden Aktualitätsdrucks und zunehmender Medienkonkurrenz bleibt er anfällig für Falschmeldungen. Deshalb gilt auch für Medienleute von heute die Warnung an den Hauseingängen im alten Rom: Cave canem - hüte dich vor dem Hund!