Reichenbach hatte die Funktion als Direktor der Eisenhüttenwerke in Blansko seit 1825 über; im Jahre 1831 übernahm er die Oberleitung des gesamten Herrschaftsbesitzes Blansko inklusive des landwirtschaftlichen Gutes. Obwohl Reichenbach von der Ausbildung her kein Techniker war, verstand er es auch hier, Neuerungen einzuführen. Nachdem er bereits 1818 einen von ihm konstruierten, neuartigen Holzverkohlungsofen im Schwarzwald errichtet hatte, baute man auch in Blansko diese neuen Öfen.

In diesem Zusammenhang gelang ihm als Erstem die Gewinnung von Paraffin, das unter anderem als Kerzenwachs und als Schmier- und Putzmittel diente, und des Kreosots, das vor allem zur Räucherung von Fleisch und als Antiseptikum verwendet wurde; beides sind Abfallprodukte bei der Holzverkohlung. Reichenbach gilt daher zu Recht als einer der Pioniere der organischen Chemie. Nebenbei sammelte und beforschte er Meteoriten.

Streitbarer Mensch

Nach dem Tod des Altgrafen Salm im Jahre 1836 zog sich Reichenbach - auch aufgrund von Rechtsstreitigkeiten mit dessen Sohn - aus Blansko zurück, wobei der Prozess um offene Forderungen auf Seiten Reichenbachs erst 1846 beendet werden konnte. Im Jahre 1839 - seine Frau war bereits seit vier Jahren tot - übersiedelte er mit seinen Kindern ganz nach Wien, wobei er im Winter in seiner Stadtwohnung in der Bäckerstraße und in der restlichen Zeit des Jahres im Schloss am Reisenberg (Cobenzl) lebte.

Dass er keinem Streit aus dem Weg ging und für seine teils polemischen Schriften berühmt war, wird unter anderem durch seine 1855 herausgegebene Publikation "Köhlerglaube und Afterweisheit" deutlich, welche gegen den Naturwissenschafter Carl Vogt und dessen Werk "Köhlerglaube und Wissenschaft" gerichtet war.

Auch die Gerichte beschäftigte Reichenbach nachweislich mehrmals. Am bekanntesten wurde der ab Mai 1866 laufende Ehrenbeleidigungsprozess des ehemaligen Direktors der Creditanstalt gegen den säumigen und exekutierten Kreditschuldner Reichenbach. Der Prozess musste wegen Nichterscheinens des Angeklagten mehrmals vertagt werden und wurde schließlich in Abwesenheit von Reichenbach beendet. Man sprach Reichenbach schuldig.

Turbulent endete auch der jahrzehntelange Aufenthalt Reichenbachs in Wien, als er 1867 nach Leipzig übersiedelte. Teile seines Eigentums hatte er bereits vor seinem Weggang an seinen Sohn Reinhold überschrieben. Aufgrund der Schulden Karl Ludwigs wurde 1868 dessen gepfändetes Mobiliar feilgeboten. Den Schlusspunkt setzte das Wiener Landesgericht im Dezember 1870 mit der Eröffnung des Konkursverfahrens über das gesamte bewegliche und unbewegliche Vermögen des am 19. Jänner 1869 verstorbenen Karl Ludwig von Reichenbach. Von seinem einst großen Vermögen war nichts übrig geblieben.