Die Wirkungskraft dieser besonderen Art der Entwicklungszusammenarbeit bekommen Regierungskritiker und Journalisten bis heute zu spüren. Als 2015 bei den turnusgemäßen Neuwahlen die Oppositionspartei Civic United Front (CUF) als Siegerin festzustehen schien, annullierte der sansibarische Wahlleiter kurzerhand das Votum. Die seit 1977 ununterbrochen über die Inseln und das Festland herrschende Partei Chama Cha Mapinduzi (CCM) blieb an der Macht. Unter anderem zog die österreichische Bundesregierung daraufhin Entwicklungshilfegelder für Sansibar zurück. Die Präsidialverwaltung hält ihrerseits durch Militärpatrouillen Unruhen im Zaum, und kritische Geister verschwinden ohne Angabe von Gründen hinter Gittern.

Seit vor dreieinhalb Jahren John Pombe Magufuli den Präsidentenposten des Landes südlich des Äquators übernommen hat, wird es auch für Online-Medien eng. Allzu politische Blogs werden durch überzogene Gebühren ausgebremst: Eine Million Tansanische Schilling, knapp 400 Euro, kostet die Jahreslizenz für Auftritte in den Sozialen Medien. "Das kann ich mir nicht leisten, woher soll ich so viel Geld nehmen?", sagt eine Bloggerin, die längst aufgegeben hat. Der Unionsstaat Tansania gilt mit einem Bruttosozialprodukt von zuletzt 1110 US-Dollar pro Person und Jahr als eines der ärmsten Länder Afrikas.

Für die einen ist das aktuelle Regierungssystem zu autokratisch, für die anderen greifen endlich lange verschleppte Reformen. So würden jetzt korrupte Beamte auf Zuruf des Präsidenten entlassen, Steuern regelmäßig kassiert sowie vorhandene Reichtümer gerechter an alle Menschen im Land verteilt.

Zurück in die Zukunft

Daran können einem Zweifel kommen, wenn man nach Daressalam kommt. Die moderne Skyline der Hauptstadt scheint tatsächlich das Regierungsbulletin baulich zu spiegeln. Projekte, die allesamt in den vergangenen zehn Jahren entstanden sind. "Beste Aussichten", sagt Elias Jubo, ein Geschäftsmann, der zur wachsenden Mittelschicht des Landes gehört und "es geschafft" hat. Auf dem Hof seiner Villa parken zwei Autos und ein Motorroller. Seine Ferien verbrachte der Farmbesitzer in Mauritius. "Alles ist dort so sauber, die Flughäfen top modern."

Ein neues Flughafengebäude steht jetzt auch in der tansanischen Hauptstadt kurz vor der Eröffnung. Drüben, hinter den Hügeln, die an die Savannen Zentralafrikas erinnern und von immer neuen Bürotürmen gesäumt werden. "Das einzige Dilemma dieser Entwicklung sind die ewigen Staus", sagt der 38-Jährige. Täglich pendeln Hunderttausende mit ihren Privatwagen aus den Vororten ins Zentrum, um ihren Dienst anzutreten.

Zur Kehrseite des kleinen Wirtschaftswunders gehören zwei- bis dreistündige Fahrten - je Richtung, jeden Tag. Auch die preisgekrönten Schnellbuslinien von Dar, wie die Hauptstadt umgangssprachlich genannt wird, können den Ansturm kaum bewältigen. "Viele Angestellte fahren schon um vier Uhr früh los und schlafen dann im Parkhaus noch drei Stunden, ehe sie ins Büro gehen."

Im Schatten der glitzernden Modernität kann die Upper-Class beim Pflegen ihres neu gewonnenen Lebensstils beobachtet werden. Es sind einige wenige Zehntausend, die nun in teuren Luxuswagen bei edlen Boutiquen vorfahren, in den Trend-Lokalen zum Lunch Station machen.

Etwa im noblen Slipway-Club. Ein Glas Sekt und Sandwiches unter Palmen machen dort den neuen Platz an der Sonne aus. Dort, wo immer mehr Segelboote und Yachten vertäut liegen und Tauchschulen mehr einheimische als auswärtige Gäste betreuen. Niemand scheint Notiz zu nehmen von den obdachlosen Landarbeitern, die zwischen den Hochhäusern auf der Straße und in Seitengassen campieren. Dort, wo zwischen viel Glas und Beton die Villen aus der deutschen Kolonialzeit liegen. Schneeweiße Häuser nach Allgäuer Vorbild. Auch der Präsident residiert in einem solchen historischen Bau, mit besten Aussichten auf den Hafen und das dahinter glitzernde Meer.