Afrikanische Aktivisten werten solche Aktionen als Heuchelei. Sind sie nicht nur dazu da, in altbekannter Kuratorenherrlichkeit Machtverhältnisse zu vertuschen? Sharing heritage bedeutet vorerst nicht, dass das Erbe geteilt wird, sondern nur, dass ein Teil der Diskurshoheit abgegeben wird. Nur wenige historisch bedeutsame Objekte sind bis heute an ihren Entstehungsorten verblieben und dort zu besichtigen. Wenn Afrikaner sich über ihre Kulturgeschichte informieren wollen, sind sie gezwungen, sich nach Europa zu begeben. Aber wie viele von ihnen können sich eine solche Reise leisten, vorausgesetzt man gewährt ihnen ein Schengen-Visum?

Solange afrikanischen Arbeitskräften der Zugang zu globalen Arbeitsmärkten verweigert wird, solange Afrikaner rassistischen Diskriminierungen und Übergriffen ausgesetzt sind, solange der Norden seinen Reichtum auf der Armut des Südens aufbaut, sind solche museale Praxen in afrikanischen Augen nur ein scheinheiliges kulturelles Mäntelchen, mit dem globale Ungleichheiten behübscht werden. Aus einer afrikanischen Perspektive ist die jüngste museale Wende somit nichts anderes als ein neokoloniales Bravourstück.