Dieses Wochenende schwillt er wieder, der Kitzbüheler Hahnenkamm. Noch schneller, noch besser, noch mehr wird wieder alles sein: mehr Spannung, mehr Partys, Weißwürste, Champagner, Promis, Adabeis . . . - der Superlativ ist die DNA des Hahnenkamm-Rennens, die Jagd nach Rekorden auf und neben den Pisten sein Motor, der das Spektakel auch in seiner 79. Auflage nicht alt daherkommen lässt. Im Gegenteil: Hahnenkamm ist am Puls der Zeit, war es schon immer. Seit den Anfängen des Wintersports versteht es Kitzbühel, Trends aufzugreifen, Moden zu perfektionieren, Tiroler und darüber hinaus österreichisches Selbstverständnis als Melange zwischen Schussfahren, Hüttengaudi und Eleganz zu prägen.

Mondänes Design

Den Hahnenkamm auffrisiert, die Stufen zum Siegerpodest gelegt, das gleichzeitig alpine wie mondäne Design geprägt hat Alfons Walde. Seine Winter-, Skilauf-, Bauernhäuser- und Bergstadt-Bilder erzielen bei Auktionen regelmäßig Rekordpreise. Dabei ist seine Arbeit als Architekt und Designer in und für seine Heimatstadt Kitzbühel in den Hintergrund getreten. Zu Unrecht.

Walde habe sich zeitlebens als "Maler und Architekt" verstanden und in dieser Form auch seinen Schriftverkehr gezeichnet, sagt seine Urenkelin Olivia Hromatka im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Hromatka hat selbst ein Architekturstudium abgeschlossen; aufgrund dieses Fachwissens sieht sie die architektonische Leistung ihres Urgroßvaters weniger in einzelnen Bauwerken als mehr in der Summe der Dinge, die er gemacht hat - und fragt sich angesichts von 50 Architektur-Entwürfen, von denen 35 umgesetzt wurden: "Wie hat er das alles nur geschafft?"

Eine Antwort darauf ist, dass es Walde verstand, zur richtigen Zeit mit den richtigen Leuten am richtigen Ort zu sein, wo er seine Fähigkeiten einbringen konnte und seine Talente geschätzt wurden. So wie beim späteren Bürgermeister von Kitzbühel, Josef Herold, mit dem Walde an einem Abend im Winter 1925 "bei einem guten Tropfen wie des Öfteren plauderte".

Thema dieses Gesprächs "im Zigarrenrauch umhüllt", schreibt Walde mehr als ein Vierteljahrhundert später in einem Brief zum 25. Jubiläum des Baus der Hahnenkammbahn, war die Förderung des aufblühenden Fremdenverkehrs durch eine Seilbahn:

"In meinem jugendlichen Temperament, über das auch der alte Herold zeitweise verfügen konnte, entschieden wir uns einstimmig für den Hahnenkamm. Wir waren uns einig, dass dieser von Kitzbühel stiefmütterlich behandelte Hausberg den Schlüssel für die größte Anzahl von Skiabfahrten bot." Das Vorhaben wurde mit einer neuen Flasche besonderen Weins aus der Taufe gehoben, heißt es bei Walde. Als er um zwei Uhr nachts aufbrach, begleitete ihn Herold "in gehobener Stimmung ein Stück nach Hause (. . .) und rief mir nach einer Weile nach: ‚Die Hahnenkammbahn muss gebaut werden!‘ Das war also die Geburtsstunde der Hahnenkammbahn, welche heute für Kitzbühel das Um und Auf bedeutet."