Die tatsächliche Entbindung, sprich Planung und Umsetzung des Baus der Seilbahn auf den Hausberg, erwies sich in weiterer Folge als schwere Geburt. Beileibe nicht alle Kitzbühler standen hinter dem Projekt, Schwierigkeiten bei der Finanzierung und technische Probleme kamen dazu. Bei einer Probefahrt 1927 sprang das Seil aus der Stütze, Walde und andere Fahrgäste mussten aus der Gondel klettern und über die Stütze absteigen. Erst im Juni 1929, mehr als vier Jahre nach der feuchtfröhlich geborenen Projektidee, wurde die Hahnenkammbahn offiziell eröffnet.

Seilbahn-Großprojekt

Von Alfons Walde entworfen, 1929 offiziell eröffnet: die Kitzbüheler Hahnenkammbahn. - © Machreich
Von Alfons Walde entworfen, 1929 offiziell eröffnet: die Kitzbüheler Hahnenkammbahn. - © Machreich

So verworren der wirtschaftliche und technische Weg zur Errichtung der ersten Seilbahn in Kitzbühel, so klar, stringent und beispielgebend war Waldes architektonischer Beitrag zum Projekt. Nach Rax, Zugspitze und Pfänder war die Hahnenkammbahn erst das vierte Seilbahn-Großprojekt in Österreich. Für die Planung der Tal- und Bergstation musste Walde Architektur-Neuland betreten, denn für die Anforderung einer Seilbahn-Steileinfahrt gab es noch keine Beispiele. "Walde sah sich zwei Forderungen gegenüber", beschreibt Walde-Biograf Gert Ammann die Ausgangslage: "die funktionsbedingte Zweckmäßigkeit und die landschaftliche Einbindung des Baukörpers. Beides gelang ihm in der hohen Rampeneinfahrt und dem sachlichen, ohne plastische Dekorationsmittel gestalteten Baukubus. Das sacht ansteigende Pultdach der Talstation überfängt einen tektonisch gegliederten Bau . . ."

Auch der Architekt und Architekturkritiker Friedrich Achleitner spart nicht mit Lob für diese Seilbahnstationen: "Der Maler Alfons Walde erweist sich (. . .) bei diesem vorwiegend technischen Bauwerk als durchaus ernstzunehmender Architekt. Für Bauaufgaben dieser Art gab es keine Vorbilder, so musste aus der Funktion, der Lage und der Auffassung her eine Synthese gefunden werden, die merkwürdigerweise in dieser Phase des frühen alpinen Bauens viel besser gelang als unter den späteren Zwängen des alpinen Stils, der zu einem Trivialsymbol für bestimmte Inhalte des Schitourismus wurde."

Und für den Wiener Kulturpolitiker, Kunstsammler und Schriftsteller Viktor Matejka steht überhaupt ein großer Teil der Seilbahnarchitekten in Waldes Schuld: "Die kühne Architektur der Tal- und der Bergstation der Hahnenkammbahn ist unerreichtes Vorbild für ungezählte Bergbahnen in aller Welt geworden."

Zusammengetragen hat diese positive Resonanz auf Waldes bravourösen Einstieg in die Bergarchitektur seine Urenkelin Olivia Hromatka. In dem auf ihrer Diplomarbeit basierenden Buch "Der Architekt Alfons Walde. Im Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne" (Klein Publishing, 2016, kpv@gmx.at) beschreibt sie detailliert, mit Fotos und Kopien der Original-Zeichnungen und -Pläne angereichert, das bisher im Schatten des Star-Malers schlummernde architektonische Werk von Alfons Walde.

In diese erste Gesamtschau über den Architekten Walde sind die Ergebnisse akribischer Recherchen im Kitzbüheler Stadtarchiv und Stadtbauamt sowie von Zeitzeugengesprächen eingeflossen. Darüber hinaus saß Hromatka lange mit ihrer Großmutter Guta Eva Berger, der Tochter von Walde, zusammen, um den architektonischen und biografischen Spuren ihres Vorfahren nachzugehen. So zeigt ein überliefertes Schreiben der Mutter von Walde, dass Waldes Vater den begabten Sohn nicht Malerei studieren lassen wollte und ihn stattdessen zum Architekturstudium animierte.