Ambrosi antwortete Walde: "Du bist am besten Weg. Du bist groß, mein Lieber. Es ist ein Wunder mein Lieber, daß der Schnee, den Du malst, bei deinem Schwitzen, indem Du malst, nicht dahinschmilzt!"

Traum Künstlerkolonie

Seine angespannten Finanzen mögen mit ein Grund gewesen sein, dass Walde ab 1925 neben seiner Malerei als Baureferent der Stadt Kitzbühel zu arbeiten begann. Als Sachverständiger überprüfte er Bauansuchen und kümmerte sich um das Stadt- und Ortsbild. Unter anderem die Farbkomposition der Kitzbüheler Bürgerhäuser im Stadtkern geht auf diese Tätigkeit zurück. Von 1926 an gehörte Walde als Mitbegründer zum Aufsichtsrat der Bergbahn AG und beteiligte sich maßgeblich an den Planungen zur Erschließung des Hahnenkamms, die Initialzündung für den Boom des Kitzbühler Wintertourismus.

In seiner Funktion als Baureferent war Walde auch Heimatschutz-Beauftragter seiner Gemeinde. Die Heimatschutzarchitektur verpflichtete sich zur Tradierung regionaltypischer Bauformen und der Erhaltung des Ortsbildes. Alle neuen Bauwerke sollten sich harmonisch in die sie umgebende Kulturlandschaft einfügen. Als hauptberuflicher architektonischer "Heimatschützer", der quasi von Amts wegen auf "Bodenständigkeitspirsch" (© Anton Kuh) gehen musste, geriet Walde in das im Buch seiner Urenkelin aufgezeigte Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne: "Er war ein Architekt, der sehr fortschrittlich dachte, von seinen Ideen her viel Neues und Modernes wollte, aber nicht immer alles umsetzen konnte."

Olivia Hromatka sagt, dass ihr Urgroßvater viele Baupläne in zweifacher Ausfertigung, einmal mit dem traditionellen Satteldach und ein weiteres Mal mit modernem Pultdach gezeichnet habe. Lange Briefwechsel zwischen Walde und den Bauherren belegten ebenfalls seinen Einsatz für eine moderne Architektur. Letztlich habe er sich aber meistens den traditionellen Vorgaben und den dahin gehenden Erwartungen der Bauherren unterordnen müssen. Im Tal.

"Auf den Bergen ist Freiheit. Der Hauch der Grüfte steigt nicht hinauf in die reinen Lüfte" - die berühmte Passage aus Schillers "Braut von Messina" beschreibt auch Waldes Freiheitsgewinn im alpinen Raum, sagt Hromatka: "Im Tal ging mein Urgroßvater auf die gebaute Umgebung und die Wünsche der Auftraggeber ein, am Berg aber huldigte er der Moderne, die lediglich der Natur als Kulisse untergeordnet wurde."

Mit dem Bau der Seilbahn auf den Hahnenkamm geht der Plan einher, im Gelände neben der Bergstation eine Siedlung "Hochkitzbühel" zu errichten. Walde träumte von eine "Künstlerkolonie" am Hahnenkamm, kaufte sich ein großes Grundstück und verkaufte eine Parzelle weiter an Clemens Holzmeister. Beide wetteten angeblich, wer sein Berghaus besser bauen werde.