Informationsaustausch und Kommunikation sind seit Menschengedenken nicht nur der Transfer von Fakten und Wissen, sondern auch von persönlicher Interpretation von Geschehnissen, Übertreibung, Irrtümern, Leerstellen und persönlicher Historie. Der Begriff "Fake News" ist spätestens seit Donald Trump in aller Munde, doch was steht eigentlich dahinter? Und was bedeutet es nicht nur für den Journalismus, sondern auch für die zwischenmenschliche Kommunikation?

"Lügenpresse" wurde abgeschafft, "Relotius-Presse" ist nun das neue Wort für unliebsame Medienberichte. Claas-Hendrik Relotius hat mit seiner Vorgehensweise die Medienwelt vor den Kopf gestoßen und eine neue Diskussion über Glaubwürdigkeit, journalistische Ethik, Kontrollen und interne Qualitätskontrollen in Verlagen angestoßen. Natürlich kann man dem Journalisten nicht dafür danken, aber die Affäre um, zumindest teilweise, erfundene Geschichten kommt zu einer guten Zeit. Wann, wenn nicht jetzt, müssen sich Medien mit ihrer Rolle, ihrer Glaubwürdigkeit und auch ihrer gesellschaftlichen Verantwortung beschäftigen und dies aber auch von den Rezipienten einfordern? Auch Journalisten müssen sich von ihrer Rolle als Hüter der objektiven Wahrheit verabschieden lernen. Denn diese wird es einfach nicht mehr geben. Die Frage ist vielmehr, wie kann man Geschichten einordnen, mit journalistischer Sorgfalt aufbereiten und mit einem äquidistanten Blick auf möglichst viele Seiten einer Medaille, seine Leserinnen und Leser zu mündigen Entscheidungsträgern ermächtigen.

Im Rahmen des Finales der American- Football-Liga NFL, der sogenannten Superbowl, lief ein Imagespot der "Washington Post", der die Bedeutung von Medien für die Demokratie, die Freiheit und das Wissen der Menschheit hervorhob. Zu lange schon habe man sich durch die lautstarken Rufe der Befürworter extremer Sichtweisen mit den Killerphrasen "Lügenpresse" und "Fake News" vor sich hertreiben lassen, argumentierten Medienexperten in einer Diskussion zu dem Spot. Man müsse nun endlich auch aktiv die Rolle und Bedeutung der Medien hervorstreichen und den Leuten ins Bewusstsein rufen, warum es eine freie Presse geben muss, und dass diese auch etwas kostet.

Mangelnde Medienkompetenz

Fake News, Propaganda, Lügen oder einfach nur ein Fehler, eine schlechte Recherche, das sind die Themen und Fragestellungen, mit denen man sich in Zukunft auseinandersetzen muss. Auch Medienethik – und noch wichtiger Medienkompetenz – wird in Zukunft in der Gesellschaft eine zentrale Bedeutung einnehmen. Zahlreiche Initiativen, nicht nur an Schulen, sondern auch innerhalb der EU, zeigen, dass das Thema – gerade in Zeiten der Digitalisierung – ein wesentliches ist. Es ist allerdings nicht so, dass jüngere Menschen tendenziell mehr Ausbildung in diesem Bereich benötigen als ältere.

Eine Studie der Universitäten Princeton und New York zeigt, dass ältere und konservative Facebook-Nutzer öfter Falschmeldungen teilen als andere. Nutzer im Alter von 65 Jahren oder älter teilen "fast sieben Mal mehr" Artikel von Falschmeldungen verbreitenden Internetadressen als 18- bis 29-Jährige. Für die Studie prüften die Autoren die Facebook-Nachrichten von fast 1200 Menschen in den USA. Die Forscher verglichen die von den Nutzern geteilten Links mit mehreren Listen von Websites, die dafür bekannt sind, Falschmeldungen zu verbreiten. Die in der Fachzeitschrift "Science Advances" veröffentlichte Studie ergab, dass nur 8,5 Prozent der Probanden einen Link von einer dieser Seiten geteilt hatten. Diese waren jedoch zumeist älter und ordneten sich selber eher dem konservativen Teil des politischen Spektrums zu.

Die Autoren begründeten das Ergebnis mit der mangelnden digitalen Medienkompetenz älterer Menschen sowie mit einem schlechteren Erinnerungsvermögen. Dass mehr Republikaner als Demokraten Falschmeldungen verbreiteten, könne dem Umstand geschuldet sein, dass während des Präsidentschaftswahlkampfs 2016 die meisten Falschmeldungen positiv über Trump berichteten. Seien mehr Falschmeldungen "pro-Clinton statt pro-Trump gewesen, hätten möglicherweise mehr Liberale als Konservative diese Inhalte geteilt", schrieben die Autoren in der "Washington Post".