Franz Xaver Gabelsberger, der am 9. Februar 1789 als Sohn eines Instrumentenbauers in München geboren wurde und am 4. Jänner 1849 dort starb, griff im 19. Jahrhundert eine Idee auf, die förmlich in der Luft lag: Er wollte das Schreiben beschleunigen. Seine Erfindung war nicht ganz neu; Versuche, schneller und kürzer zu schreiben, gab es bereits vor über 2000 Jahren, als Marcus Tullius Tiro (geb. 103 v. Chr.) ein Kurzschriftsystem für die lateinische Sprache entwickelte ("Tironische Noten"). Somit war es ihm möglich, die Reden Ciceros im römischen Senat wörtlich aufzunehmen und für die Nachwelt zu überliefern.

Auch im Mittelalter entstanden zunächst in England, dann in Frankreich und später auch in Deutschland Kurzschriftsysteme, die vor allem auf geometrischen Zeichen aufbauten. Dabei war ein häufiger Wechsel der Schreibrichtung nötig, was den Schreibfluss oftmals hemmte. So waren diese Systeme als Debatten- und Verhandlungsschriften nur bedingt geeignet. Gerard van Swieten (1700-1772), Leibarzt der Herrscherin Maria Theresia und leidenschaftlicher Bibliothekar, machte sich etwa Notizen in Kurzschrift. Dazu verwendete er die umständliche "Tacheographia" von Charles Aloysius Ramsay.

Frauen erobern das Pult

Franz Gabelsbergers Erfindung bestand darin, dass er mit seiner kursiven Kurzschrift im Gegensatz zur geometrischen Schrift einen Schreibfluss für Debatten und Verhandlungen ermöglichte. Nach dem Abitur arbeitete Gabelsberger ab 1810 als "Geheimer Kanzlist" im Bayerischen Staatsdienst.

Beinahe wäre seine weitere Laufbahn gestört worden. Im Jahr 1812 zog Franz Gabelsbergers jüngerer Bruder Joseph an seiner Stelle, gemeinsam mit rund 33.000 Bayern, mit Napoleons Heer nach Russland in den Krieg. Während Gabelsbergers Bruder im September 1812 den Strapazen vor Moskau zum Opfer fiel, konnte sich sein älterer Bruder selbstverwirklichen. Franz Gabelsbergers Ehrgeiz lag nicht allein in der Diktataufnahme, sondern im Erreichen einer optimalen stenografischen Praxis für das Parlament.

1818 war durch König Max I. von Bayern die erste freiheitliche Staatsverfassung verkündet worden, die die Errichtung einer aus zwei Kammern bestehenden Ständeversammlung vorsah. Bereits 1819 hielt Gabelsberger die Debatten in der Kammer der Abgeordneten stenografisch fest. Dank der Förderung der Bayerischen Akademie der Wissenschaften konnte er Unterricht in Stenografie erteilen und am 31. Dezember 1831 ein Stenografenbüro in München einrichten. Kurz darauf verfasste Gabelsberger zwei Werke mit dem Schwerpunkt der freien Satzkürzung. Im Jahr 1840, neun Jahre vor seinem Tod, wurde Gabelsberger Leiter des stenografischen Dienstes des Bayerischen Landtages in München. Heute sind - neben den festangestellten Stenografinnnen und Stenografen im Bayerischen Landtag - noch "Leihstenografen" von Kiel bis Wien tätig.