"Der Kuckuck"-Cover vom 12. Dezember 1933. - © Archiv Holzer
"Der Kuckuck"-Cover vom 12. Dezember 1933. - © Archiv Holzer

Neben einheimischen Fotografen wie Hans Popper, Nikolaus Schwarz, Edith Suschitzky, Rudolf Spiegel, Ferdinand Hodek, Willi Zwacek, Leo Ernst, Albert Hilscher, Lothar Rübelt, Bruno Völkel und Ernst Kleinberg wurden auch zahlreiche renommierte ausländische Fotografen in der Illustrierten vorgestellt: etwa Tina Modotti, Paul Wolff, Willy Riethof, Hans Casparius oder Martin Imboden.

"Der Kuckuck" war in den Augen des linken Pressemanagers Julius Braunthal ein Baustein für einen mächtigen sozialdemokratischen Medienkonzern, der der bürgerlichen Presse Paroli bieten sollte. 1927 gründete Braunthal mit großem Erfolg die linke Boulevardzeitung "Das kleine Blatt", die 1930/31 eine tägliche Auflage von 173.000 Stück erreichte. Zwei Jahre später, 1929, folgte mit dem "Kuckuck" eine ebenfalls auflagenstarke Illustrierte. 1932 erhielt "Das kleine Blatt" mit der "Bunten Woche" eine illustrierte Wochenendausgabe, ein Jahr später, im Februar 1933, kam die Wochenillustrierte "Rundfunk" hinzu. Ergänzt wurden diese durch zahlreiche weitere Zeitschriften und Publikationen, ebenso wie regionale Blätter.

Kenn- und Markenzeichen des "Kuckuck" waren seine pointierten Umschläge, die sich am Kiosk deutlich von anderen Titelblättern abhoben. Während der Innenteil konventioneller gestaltet war, setzte Weyr am Umschlag mittels gezielt inszenierter, spannungsreicher Fotomontagen seine Vorstellungen einer kämpferischen Arbeiterillustrierten um.

Gegenüberstellungen

Eine moderne illustrierte Zeitung wie der "Kuckuck", so brachte Weyr sein Credo 1930 auf den Punkt, begnügt sich nicht mehr damit, "Bilder einfach nebeneinander zu stellen und durch ein paar Zeilen Text zu erläutern. Die moderne Bilderzeitung versucht vielmehr durch geschickte Kombinationen die Bilder selbst zu den Beschauern sprechen zu lassen. Das ist nicht immer leicht, erfordert genaue Kenntnis des Gegenstandes und Kombinationsgabe." Und er ergänzt: "Auch der Leser muß sich vielfach erst mit der neuen Methode vertraut machen."

Viele Fotomontagen des "Kuckuck" stammen von Weyr selbst, andere von Artur Stadler, einem sehr innovativen Wiener Zeichner und Illustrator, weitere von Alexander Stern, der nach seiner Ausbildung als Gärtner zum experimentellen Künstler wurde und als Zeichner, Fotograf, Filmer und Autor in Graz arbeitete. Er signierte seine Arbeiten mit dem Kürzel "STAL".

Die Dynamik und die Kraft dieser Fotomontagen nahm unverkennbar Vorlagen aus Deutschland auf. Dort hatten die kommunistische "Arbeiter-Illustrierte-Zeitung" und insbesondere der Grafiker John Heartfield mit zugespitzten Fotomontagen ein neues Genre der Bildberichterstattung entwickelt.

Auch im "Kuckuck" setzten die Fotomontagen immer wieder auf aufrüttelnde Gegenüberstellungen. In Bildern und Texten wurden politische und gesellschaftliche Gegensätze inszeniert: hier der aggressive Polizeistaat, dort die friedliebende Arbeiterschaft; hier Militarismus, dort Kriegsopfer; hier Nationalsozialismus, dort die Opfer der Gewaltherrschaft. Die Widersprüche der kapitalistischen Gesellschaft wurden in einfachen, schlagenden Bildern vorgeführt. Während der Faschingszeit im Jahr 1931 stellte Siegfried Weyr etwa in einer bissigen Montage schwielige Arbeiterhände dem ausschweifenden Luxus der feinen Gesellschaft entgegen.